Das Trampolin

Was machem wir hier nicht alles, was wir in Deutschland nicht gemacht hätten…

Nun sind wir also auch stolze Besitzer eines Trampolins. Und dieses hat die Größe von 14 feet oder 4, 27 Meter Durchmesser… Wenigstens steht nicht in den sogenannten „Neighborhood Rules“, dass das Aufstellen eines Trampolins verboten ist. Ca. 6 Wochen nach unserem Einzug stellten wir nämlich fest, dass wir uns an diese Neighborhood Rules halten müssen, über die wir im Vorfeld gar nicht informiert wurden. Bei diesen Regeln handelt es sich um 38 Seiten, die darstellen, was man hier alles nicht machen darf. Dazu gehören auch das Aufstellen eines Pools im Garten sowie das Aufstellen jeglicher Dinge (Auto, Boot, Rasenmäher, Golfcart etc.) außerhalb von Haus und Garage. Auch ein Auto darf nicht vor dem Haus geparkt werden. Sämtliche Bepflanzungen und Änderungen müssen vom Neighborhood-Ausschuß genehmigt werden… Auf diese Weise sieht das Wohngebiet sehr gepflegt aus und niemand stellt Gewächshäuser an die Grundstücksgrenze oder baut in der Fernsehzeitung angepriesene Wintergärten ans Haus. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich die Frage, wozu der Garten eigentlich zu nutzen ist und ob man sich in der persönlichen Freiheit so sehr einschränken möchte – vor allem ohne dies im Vorfeld gewußt zu haben…

Das Trampolin hat sich jedenfalls bewährt. Noch nicht fertig aufgebaut kamen bereits Kinder aus der Nachbarschaft vorbei, um zu springen. Und dies ging auch ohne perfekte Verständigung in der englischen Sprache.

 

Endlich Urlaub…

Nachdem wir unseren ursprünglich geplanten Sommerurlaub in Süd-Frankreich aufgrund der Ausreise nach Amerika absagen mussten, holten wir den Urlaub nun in Florida nach. Nach den anstrengenden letzten Monaten hatten wir alle dringend etwas Erholung nötig.

Eigentlich erreicht man die Gulf Coast und Florida innerhalb von 5 Stunden mit dem Auto von Tuscaloosa aus. Unsere Kinder wünschten sich jedoch nichts mehr, als den Harry Potter Park in Orlando aufzusuchen. Somit legten wir die doppelte Strecke zurück und landeten in Holmes Beach, unterhalb der Halbinsel Anna Maria Island. Es handelte sich um eine sehr schmale Landzunge und somit gab es dort auch nur kleine, sehr gepflegte, hübsche Ferienhäuschen. Der Ort war sehr friedlich und außer am Pool oder Strand zu liegen, bzw. zu baden, gab es dort eigentlich nichts zu tun. Und das war auch mal gut so.

Ein Ferienhaus wie dieses hatten wir noch nie. Wir hatten einen palmenbewachsenen Garten mit eigenem Pool mit Wasserfall nur für uns selbst. In die eine Richtung war das Meer nur einige Meter entfernt und in die andere Richtung unser „Standard-Supermarkt“. Auch ein wirklich leckeres deutsches Schnitzelhaus gab es in fußläufiger Entfernung und die Kinder konnten sich endlich mal wieder so richtig satt essen (Schnitzel mit Spätzle und Kartoffelpuffer mit Apfelmus).

Jedenfalls hätten wir den Urlaub komplett „autofrei“ verbringen können, wäre da nicht der Harry Potter Park in Orlando gewesen. Nach 2-stündiger Fahrt kamen wir am Parkgelände und nach einem weiteren längeren Fußmarsch endlich am Harry Potter Park an. Die Szenen des Films, die Tour durch Hogwarts und die nachgebaute Winkelgasse waren zwar eindrucksvoll, das „voll“ kann man jedoch auch auf die Menschenmassen beziehen. Ferienzeit war eigentlich keine, doch wir waren erstaunt, wieviele Erwachsene zu den Harry Potter Fans zählen und den sehr hohen (!!!) Eintrittspreis auf sich nehmen…

Noch voll der Eindrücke des Parkbesuchs folgte am nächsten Tag der 7. Geburtstag von Leander, den wir gemütlich am Ferienort verbrachten. Das Festessen fand im Schnitzelhaus statt. Interessant waren die Online-Bewertungen für dieses Restaurant. Deutsche Gäste (von denen es in Holmes Beach viele gibt) hatten das Restaurant durchweg als sehr gut bewertet. Amerikanische Gäste dagegen bewerteten das Essen als gut und das Personal als „unfreundlich“. Tatsächlich entsprach die Bedienung der, die wir in Deutschland gewöhnt sind – sachlich und höflich. Die Amerikaner scheinen dies jedoch als unfreundlich zu empfinden.

Insgesamt würden wir die Reise – trotz 11-stündiger Fahrt – jederzeit wieder auf uns nehmen. Temperaturen, Strand, Unterkunft und Umgebung waren einfach perfekt und auch die Autofahrt ist deutlich weniger anstrengend als in Deutschland.

Wir machen es (nicht) wie die anderen Länder!

Bezugnehmend auf einen einen Artikel in der Stuttgarter Zeitung habe ich einen Leserbrief zum Thema „Ganztagsschule“ an die Redaktion geschickt. Ob er veröffentlich wird, weiß ich nicht, doch wenigstens auf unserer Internetseite möchte ich diesen darstellen:

Wir machen es (nicht) wie die andern Länder!

Als Familie mit zwei Grundschulkindern verfolgen wir schon seit längerem die Entwicklungen in Baden-Württemberg zum Thema Ganztagsgrundschule. Vor zwei Monaten zogen wir von Stuttgart aus für einige Jahre in die USA. Hier sind wir nun unfreiwillig Besucher einer Ganztagsgrundschule. Wir können nun aus eigender Erfahrung berichten und die im Artikel „Wann sollen denn die Kinder noch singen“ (18.09.12 Stz) aufgezeigten Befürchtungen nur bestätigen. Die Schulen beginnen hier zwischen 8 und 8:30 Uhr und enden zwischen 15 – 15:30 Uhr. Es war schon zu erwarten, daß unsere Kinder und ich als Mutter damit nicht zurechtkommen würden: Ausreichend und gesund im Kreis der Familie essen, Hobbies (Musik, Sport) ausüben, Hausaufgaben machen, Musikinstrumente üben, Freunde treffen, Unternehmungen machen, ausruhen, spielen etc. muss nun im Zeitfenster von 16 – 19 Uhr untergebracht werden. Dies ist einfach nicht möglich.

Dennoch ist einiges zu den Gegebenheiten hier in den USA zu sagen: Viele Eltern entscheiden sich hier zum sog. „Homeschooling“. D. h. die Kinder (v. a. Grundschulkinder) werden zu Hause von den eigenen Eltern unterrichtet. Einmal in der Woche findet ein Treffen der Eltern und Kinder, die „homeschoolen“ statt, bei dem Inhalte besprochen werden und eine Anleitung durch Fachleute stattfindet. Hier ist es den Eltern selbst überlassen, wie lange der Schulalltag dauern soll. Da das Homeschooling sehr individuell und effektiv ist, endet die Schule für diese Kinder vor dem Mittagessen. Ein weiterer Punkt darf nicht vergessen werden:  In den USA haben die Kinder fast 3 Monate Sommerferien, in der das Spielen und Kind sein nachgeholt werden kann. In Deutschland sind es dagegen nur 6 Wochen. Wir selbst haben für uns mit der amerikanischen Schule einen individuellen Weg gefunden und dürfen unsere Kinder bereits um 14 Uhr abholen. Auch so etwas ist hier möglich.

Wenn Deutschland sich unbedingt an den anderen Ländern im Hinblick auf die Bildungssituation orientieren möchte, sollte dies doch ganzheitlich geschehen. Nicht nur Verpflichtungen sollten übernommen werden, sondern auch Freiheiten.

 Susanne H.

What to do in Tuscaloosa…

Das Städtchen Tuscaloosa ist hauptsächlich durch die University of Alabama und ihr Universitätsleben geprägt. Ansonsten gibt es die üblichen Outlet Malls und Restaurantketten, ein paar Seen und einen Fluß, den Black Warrior River. Seen und Flüsse hören sich ja eigentlich ganz gut an – dachten wir – doch leider gibt es bei beidem keinen Zugang. Die Ufer sind meist in Privatbesitz und touristisch sind sie nicht erschlossen. Somit muss man schon etwas genauer suchen, um geeignete Freizeitaktivitäten zu finden.

Von einigen dieser Highlights berichten wir kurz:

  • Lake Lurleen  State Park: In ca. 25 Minuten Fahrt von uns kommt man an den Lake Lurleen. Dies ist ein See mit Sandstrand, Badezone und Duschen. Und das Beste: Der See ist relativ warm und menschenleer….Die Kinder genießen es sehr, zum ersten Mal in einem warmen Gewässer in der freien Natur zu baden. Endlich haben sich die auf Sylt gekauften  und dort nie benutzen Schwimmbretter bewährt….

 

 

 

 

  • Dismals Canyon: Hierher sind es schon 2 Stunden Autofahrt in Richtung Norden.

 

 

 

 

 

 

 

Doch der Weg hat sich gelohnt. Dort gibt es einen kleinen, sehr bewachsenen und für die Kinder höchst spannenden Canyon. Es gibt sehr dünnen Felsspalten mit dem Namen „Fat Mans Misery“, durch die man sich hindurchzwängen muss. Obwohl man nie weiß, wo man eigentlich ist, findet man doch wieder zum Eingang zurück. Leanders Kommentar war zwar, dass der Ausflug  „zu viel Spielezeit verbraucht hätte“, doch Valentin war stark beeindruckt.

 

 

  • Wir hatten ein „Picknick“  an unserer Schule. Diese bestand darin, dass man sich an einer fahrbaren Bude Hamburger, Hot Dog oder French Fries kaufen konnte und war insgesamt sehr ungezwungen. Sämtliche Familien tummelten sich auf der Wiese des Capitol Parks, welcher an die Schule angrenzt und auch als Pausenhof dient. Die Kinder haben das Fest sehr genossen und fühlten sich bereits ganz zu Hause.

 

 

 

 

  • Das „Science Lab“ in der Library of Tuscaloosa: Einmal im Monat findet eine Art „Kinderuni“ statt. Allerdings für alle offen und ohne Anmeldung. Die Eltern dürfen dabei bleiben und auch noch etwas lernen… Wir hatten nun schon das Thema „Electricity“ und „The human body“.

 

 

 

 

 

 

Soviel zu den sogenannten „außerplanmäßigen Aktivitäten“ in Tuscaloosa und Umgebung.

Doch es gibt noch mehr zu berichten. Ich bin immer wieder erstaunt, wie anders die USA – zumindest hier im Süden – doch sind, als erwartet. Zwei kleine Anekdoten  dazu:

Es gibt hier einen deutschen Stammtisch. Diesen habe ich erstmalig aufgesucht. Hauptsächlich vertreten waren dort ein deutscher Pfarrer und einige ältere Amerikaner, die die deutsche Sprache nicht verlernen möchten. Ich hatte mich noch gewundert, weshalb ein junger deutscher Mann „in den besten Jahren“ dort saß und nicht bei der Arbeit war. Nun, er kam ebenfalls über eine Firma (Autozulieferer) hierher nach Tuscaloosa und wurde, nachdem er 6 Wochen hier war, in Downtown Tuscaloosa angeschossen. Ein Amokläufer hat wahllos auf 17 Menschen geschossen. Der Deutsche erlitt einen Schuß durch Leber und Lunge, nachdem die Kugel einen anderen Menschen durchwandert hatte… Nun verbrachte er die meiste Zeit im Krankenhaus. Im Dezember endet sein Aufenthalt hier und zur Arbeit wird er hier nicht mehr gehen können…

So „life“ hatte ich mit abbrennenden Häusern und durchschossenen Menschen während unseres Lebens in Deutschland nicht zu tun…

In der vergangenen Woche suchte ich das hiesige Gesundheitsamt auf, um dort eine Impfbescheinigung für die Kinder ausstellen zu lassen. Die Vorlage dieser  an den Schulen ist Pflicht in den Alabama. Um sicher zu gehen, dass ich die Reise nicht umsonst antrete, informierte ich mich vorab telefonisch bei diesem Amt, zu welchen Zeiten ich kommen müsste und was mitzubringen sei. Nach einigem Suchen angekommen, erkundigte ich mich an einem Informationstisch am Eingang nach dem richtigen Ort für diese Sache. Ohne Zögern verwies man mich an die zweite Türe rechts. Diese hatte die Überschrift „Atem und Lungenangelegenheiten“. Von hier wurde ich eine Tür weiter geschickt: Zum Zimmer mit der Bezeichung „Zahnarzt“. Dies ging so weiter von Tür zu Tür, bis man mich schließlich zur allerletzten Türe mit der Überschrift „Frauenarzt“ schickte. Ich wollte nun nicht glauben, dass die Frauenarztabteilung Impfbescheinigungen für Kinder ausstellt, doch hier war ich endlich richtig. Allerdings wurde mir nun mitgeteilt, ich könne erst wieder ab 13:30 Uhr in dieser Sache kommen. Es war jedoch gerade 11 Uhr und meine vorausgegangene telefonische Anfrage hatte mir eine Bearbeitung bis 16 Uhr zugesagt. Nach einigem Protest meinerseits durfte ich also im Wartezimmer platznehmen. Endlich aufgerufen, wurde mir mitgeteilt, dass ich die richtigen Dokumente nicht dabei hätte. Erneuter Protest meinerseits (ich hatte mich ja auch diesbezüglich zuvor telefonisch erkundigt) führte zu der Aussage „the regulations have changed“… – Innerhalb einer Stunde haben sich die Vorschriften diesbezüglich geändert? Na, damit gab ich mich sicherlich nicht zufrieden. Nach erneutem Warten durfte ich schließlich eine „Nurse“ (Krankenschwestern üben in vielen Bereichen die Tätigkeiten aus, für die bei uns die Ärzte zuständig sind) sehen. Schließlich verließ ich dieses Amt mit allen Unterlagen, die ich benötigte, aber dafür mit einigen Nerven weniger…