Das Städtchen Tuscaloosa ist hauptsächlich durch die University of Alabama und ihr Universitätsleben geprägt. Ansonsten gibt es die üblichen Outlet Malls und Restaurantketten, ein paar Seen und einen Fluß, den Black Warrior River. Seen und Flüsse hören sich ja eigentlich ganz gut an – dachten wir – doch leider gibt es bei beidem keinen Zugang. Die Ufer sind meist in Privatbesitz und touristisch sind sie nicht erschlossen. Somit muss man schon etwas genauer suchen, um geeignete Freizeitaktivitäten zu finden.
Von einigen dieser Highlights berichten wir kurz:
- Lake Lurleen State Park: In ca. 25 Minuten Fahrt von uns kommt man an den Lake Lurleen.
Dies ist ein See mit Sandstrand, Badezone und Duschen. Und das Beste: Der See ist relativ warm und menschenleer….
Die Kinder genießen es sehr, zum ersten Mal in einem warmen Gewässer in der freien Natur zu baden. Endlich haben sich die auf Sylt gekauften und dort nie benutzen Schwimmbretter bewährt….
- Dismals Canyon: Hierher sind es schon 2 Stunden Autofahrt in Richtung
Norden.
Doch der Weg hat sich gelohnt. Dort gibt es einen kleinen, sehr bewachsenen und für die Kinder höchst spannenden Canyon. Es gibt sehr dünnen Felsspalten mit dem Namen „Fat Mans Misery“, durch die man sich hindurchzwängen muss.
Obwohl man nie weiß, wo man eigentlich ist, findet man doch wieder zum Eingang zurück. Leanders Kommentar war zwar, dass der Ausflug „zu viel Spielezeit verbraucht hätte“, doch Valentin war stark beeindruckt.
- Wir hatten ein „Picknick“ an unserer Schule.
Diese bestand darin, dass man sich an einer fahrbaren Bude Hamburger, Hot Dog oder French Fries kaufen konnte und war insgesamt sehr ungezwungen. Sämtliche Familien tummelten sich auf der Wiese des Capitol Parks, welcher an die Schule angrenzt und auch als Pausenhof dient.
Die Kinder haben das Fest sehr genossen und fühlten sich bereits ganz zu Hause.
- Das „Science Lab“ in der Library of Tuscaloosa:
Einmal im Monat findet eine Art „Kinderuni“ statt. Allerdings für alle offen und ohne Anmeldung. Die Eltern dürfen dabei bleiben und auch noch etwas lernen… Wir hatten nun schon das Thema „Electricity“ und „The human body“.
Soviel zu den sogenannten „außerplanmäßigen Aktivitäten“ in Tuscaloosa und Umgebung.
Doch es gibt noch mehr zu berichten. Ich bin immer wieder erstaunt, wie anders die USA – zumindest hier im Süden – doch sind, als erwartet. Zwei kleine Anekdoten dazu:
Es gibt hier einen deutschen Stammtisch. Diesen habe ich erstmalig aufgesucht. Hauptsächlich vertreten waren dort ein deutscher Pfarrer und einige ältere Amerikaner, die die deutsche Sprache nicht verlernen möchten. Ich hatte mich noch gewundert, weshalb ein junger deutscher Mann „in den besten Jahren“ dort saß und nicht bei der Arbeit war. Nun, er kam ebenfalls über eine Firma (Autozulieferer) hierher nach Tuscaloosa und wurde, nachdem er 6 Wochen hier war, in Downtown Tuscaloosa angeschossen. Ein Amokläufer hat wahllos auf 17 Menschen geschossen. Der Deutsche erlitt einen Schuß durch Leber und Lunge, nachdem die Kugel einen anderen Menschen durchwandert hatte… Nun verbrachte er die meiste Zeit im Krankenhaus. Im Dezember endet sein Aufenthalt hier und zur Arbeit wird er hier nicht mehr gehen können…
So „life“ hatte ich mit abbrennenden Häusern und durchschossenen Menschen während unseres Lebens in Deutschland nicht zu tun…
In der vergangenen Woche suchte ich das hiesige Gesundheitsamt auf, um dort eine Impfbescheinigung für die Kinder ausstellen zu lassen. Die Vorlage dieser an den Schulen ist Pflicht in den Alabama. Um sicher zu gehen, dass ich die Reise nicht umsonst antrete, informierte ich mich vorab telefonisch bei diesem Amt, zu welchen Zeiten ich kommen müsste und was mitzubringen sei. Nach einigem Suchen angekommen, erkundigte ich mich an einem Informationstisch am Eingang nach dem richtigen Ort für diese Sache. Ohne Zögern verwies man mich an die zweite Türe rechts. Diese hatte die Überschrift „Atem und Lungenangelegenheiten“. Von hier wurde ich eine Tür weiter geschickt: Zum Zimmer mit der Bezeichung „Zahnarzt“. Dies ging so weiter von Tür zu Tür, bis man mich schließlich zur allerletzten Türe mit der Überschrift „Frauenarzt“ schickte. Ich wollte nun nicht glauben, dass die Frauenarztabteilung Impfbescheinigungen für Kinder ausstellt, doch hier war ich endlich richtig. Allerdings wurde mir nun mitgeteilt, ich könne erst wieder ab 13:30 Uhr in dieser Sache kommen. Es war jedoch gerade 11 Uhr und meine vorausgegangene telefonische Anfrage hatte mir eine Bearbeitung bis 16 Uhr zugesagt. Nach einigem Protest meinerseits durfte ich also im Wartezimmer platznehmen. Endlich aufgerufen, wurde mir mitgeteilt, dass ich die richtigen Dokumente nicht dabei hätte. Erneuter Protest meinerseits (ich hatte mich ja auch diesbezüglich zuvor telefonisch erkundigt) führte zu der Aussage „the regulations have changed“… – Innerhalb einer Stunde haben sich die Vorschriften diesbezüglich geändert? Na, damit gab ich mich sicherlich nicht zufrieden. Nach erneutem Warten durfte ich schließlich eine „Nurse“ (Krankenschwestern üben in vielen Bereichen die Tätigkeiten aus, für die bei uns die Ärzte zuständig sind) sehen. Schließlich verließ ich dieses Amt mit allen Unterlagen, die ich benötigte, aber dafür mit einigen Nerven weniger…