Spätsommer 2013 in

A l a b a m a . . .

Man könnte vielleicht den Eindruck bekommen, das Leben hier in den USA besteht nur aus Urlaub. Doch das ist nicht so. Es liegen 3 Monate ohne jegliche Reisen vor uns. Der Alltag ist sehr vollgepackt und die Kinder haben ein umfangreiches Programm:

Die neue Schule, an die Valentin nun geht, dauert von 8 bis 15 Uhr. Es gibt hier weder ein Zuspätkommen (die Türen des Schulgebäudes werden verschlossen), noch ein frühes Abholen. An der TA haben die deutschen Kinder zunächst gemeinsam mit dem amerikanischen Kindern Fächer wie Math, Science, P. E. (Sport), Reading, Writing, Alabama History, Library Time, Music and Art. Für ca. 2 Stunden am Tag werden die deutschen Kinder jedoch aus der Klasse genommen, um in Deutsch unterrichtet zu werden. Dies geschieht nach dem Baden-Württembergischen Lehrplan. In Valentins vierter Klasse sind derzeit 6 deutsche Kinder. Kurz vor 3 Uhr reihen sich vor der Schule die Autos (darunter viele von Mercedes) auf und warten, bis die Kinder das Gebäude verlassen. Somit wird ein Kind nach dem anderen eingeladen und man muss nicht mal aussteigen, um sein Kind von der Schule abzuholen.

Wie in Deutschland gibt es auch hier Hausaufgaben. Und diese sind recht umfangreich. Freitags gibt es immer einen Spellingtest, bei dem englische Vokabeln abgefragt werden. Die Aufgaben sind so vielfältig, dass wir Eltern richtig gefordert sind, um den Überblick zu bewahren.

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Von Montag bis Freitag haben wir jeden Nachmittag mit Freizeitangeboten ausgefüllt. Dies ist zwar viel, doch sind die außerschulischen Angebote hier so gut, dass wir sie einfach mitnehmen möchten. Die Kinder haben wie zuvor ihren Musikunterricht und gehen schwimmen. Valentin ist inzwischen im CTA – Swimteam („Crimson Tide Aquatics“) und trainiert somit 2 – 3 mal in der Woche. Uns Eltern steht in dieser Zeit ein weiterer Pool der University of Alabama zum Schwimmen zur Verfügung. Es vergeht somit kaum ein Tag, an dem wir nicht im Wasser sind.

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Da die Aktivitäten meist erst am frühen Abend stattfinden, können wir Eltern uns aufteilen und jeder übernimmt eines der Kinder.

Zum Ende des Tages hin muss noch gelesen werden. Die gelesenen Seiten müssen exakt für die Schule notiert werden. Zum Glück haben wir eine sehr lustige Serie ausfindig gemacht: „My weird School Collection“. Die Kinder sind kaum zu bremsen und oft wird ein ganzes Buch pro Abend gelesen. Wir sind erstaunt, wie schnell das englische Lesen zur Selbstverständlichkeit wurde, ohne, dass wir es mit den Kindern richtig üben mussten.

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Ich (Susi ) habe mich wieder für Kurse an der Uni eingeschrieben. Diesmal habe ich die Kurse „Ceramics“ und „Environmental Health und Safety“ gewählt.

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Ein Kurs ist zum Vergnügen und einer, um den in Deutschland auf mich wartenden Beruf nicht ganz zu vergessen… Bei dem Töpferkurs ergeben sich viele Gesprächsmöglichkeiten mit den überwiegend männlichen Studenten. Es ist interessant, sich in deren Interessenlage und Lebenssituation zu versetzen. Sie sind gerade mal halb so alt wie ich und könnten meine Kinder sein… Auch haben die Studenten viele Fragen über das Leben in Deutschland. Neulich wurde ich von einem Mitstudenten gefragt, was mir hier in Alabama besonders gut gefällt. Hierzu haben wir uns in der Familie Gedanken gemacht und eine Liste erstellt:

– Die deutsche Kirche hier in Alabama mit deren deutschen Pfarrer Thomas Herwig gefällt uns sehr gut. Nun mussten wir bis nach Alabama reisen, um einen so lebensnahen, lebendigen Gottesdienst zu finden.

– Wir schätzen die bei Daimler und in der Schule übliche Uniform. Dadurch erübrigt sich die morgendliche Frage, was anzuziehen ist und alle sehen gleich aus.

– Die Kleider trocknen hier durch die Klimaanlage über Nacht. Abends aufgehängt, am nächsten Morgen trocken….

– Haare muss man sich nicht föhnen.

– Bei der Bank kann man alles im „Drive Through“ erledigen und muss keine Parkplatz suchen.

– Der Club Pool ist einmalig. Er ist groß, nicht zu kalt und meist ist kaum jemand im Wasser. Einen vergleichbaren Pool haben wir in Deutschland nicht erlebt.

– Die Deutschdiktate an der TA dürfen im Vorfeld geübt werden. Somit kann man sich gezielt vorbereiten und auch mal ein Erfolgserlebnis mit nach Hause nehmen.

– Es gibt sehr humorvolle Kinderbuchserien in Form von kleinen, handlichen Büchern. Diese gibt es für jeden Leselevel. Derart geeignetes und nettes Material zum Lesenlernen gibt es in Deutschland leider nicht.

Es folgte die Frage des Studenten, was mir hier weniger gut gefällt. Natürlich gehören dazu die weiten Fahrwege, doch der schwerwiegendste Punkt ist wohl die z. T. andere Denkweise vieler Menschen hier. Die deutsche Genauigkeit, Logik und Verlässlichkeit fehlt uns oft mehr als wir uns jemals hätten vorstellen können. Z. B. verbrachte ich einenTag dieser Woche von 9 bis 17 Uhr damit, die Hintergründe meiner Uni-Rechnung zu erfahren und verstehen. Anstatt eine klare Antwort zu bekommen, wurde ich immer wieder in unendliche Warteschleifen verbunden und von einer Person zur anderen verbunden. Sprach ich mal nicht auf ein Band, sondern life mit jemandem, hatte diese/r in der Regel keine Ahnung. Das Ergebnis war dann gegen 17 Uhr, dass die Rechnung eben so ist, wie sie ist. Solche Tatsachen muss man hier desöffteren hinnehmen, ohne sie wirklich zu verstehen.

Doch zur Woche gehört natürlich auch das Wochenende. An diesem haben wir „frei“ und gehen auch auf das eine oder andere Fest. Hierzu gehören nach wie vor die Geburtstagsfeiern und Ausflüge in den Yacht Club.

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Geburtstagsfeier beim Kegeln

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Badebuch am wirklich warmen Lake Tuscaloosa

Ein besonderes Erlebnis hatten wir am vergangenen Sonntag: Wir wurden von der Familie des neuen Amerikanischen Freundes von Valentin in ihr „Zweithaus“ am Lake Tuscaloosa und zu einer Bootsfahrt auf dem See eingeladen. Dies war sicherlich ein Erlebnis, da ich wegen der Hitze samt Sonntagskleid baden ging und Valentin auf einer sogenannten „Inner Tube“ über den See gezogen wurde.

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Und zur guter Letzt: Wie sind wir froh, dass unsere Kinder sich beide haben und die vielen Eindrück und Erlebnisse miteinander teilen dürfen:

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Michigan – we are back!

Keine drei Wochen waren vergangen und wir saßen schon wieder im Flugzeug nach Michigan. Wir haben das lange Wochenende über den Feiertag Laborday genutzt und noch zwei Tage drangehängt. Die Kinder aus der Schule herausnehmen ist hier gar kein Problem. Diesmal ging die Reise besonders früh los. Um 5:30 Uhr startete unser Flieger von Birmingham nach Chicago.

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Chicago in den Wolken

Von dort aus ging es in einer Stunde Flugzeit direkt nach Houghton auf der UP (Upper Peninsula of Michigan). Wir hatten dasselbe Cabin gemietet wie zuvor und waren wieder genauso angetan. Valentin zog es sofort an die Feuerstelle und Leander hatte sein ganz persönliches Plätzchen auf dem Schaukelstuhl auf der Veranda gefunden.

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Die Tage vergingen schnell und waren gleichzeitig sehr abwechslungsreich. Die neuste Enddeckung was das Mineralienmuseum der Michigan Technological University. Von den Exponaten waren wir alle beeindruckt: Von Mondstaub bin hin zu fluoreszierendem Gestein war einfach alles zu sehen.

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Leander suchte wieder die Bankangestellte auf, die vor 3 Wochen seine Begeisterung für Münzen geweckt hatte. Wieder hatte sie Münzen für ihn vorrätig, die er noch nicht hatte. Ein weiteres Highlight war das Pflücken von Blaubeeren auf der Blaubeerfarm meines ehemaligen Professors. Nun wissen die Kinder zu genüge, woher die Blaubeeren kommen.

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Ganz besonders haben es Valentin und Leander genossen, ihre neu gewonnenen Freundinnen wieder zu treffen.

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Auf deren Farm hatte sich in der Zwischenzeit einiges getan und ein Alpakababy hatte kurz zuvor das Licht der Welt erblickt.

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Ein Nachmittag am Lake Superior rundete den Aufenthalt ab. Im Gegensatz zum Lake Michigan beeindruckten uns die Einsamkeit und Rauheit der Strände vom Lake Superior, welcher die USA von Canada trennt. Die Strände dort sind Menschenleer und das Wasser ist kalt (ca. 13 Grad C gegen Ende August) und sauber.

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Wieder hat uns diese kleine abgeschiedene Welt mit deren freundlichen, persönlichen Menschen beeindruckt. Der Unterschied zu den sonstigen USA machte sich auch am Abreisetag bemerkbar. Denn an diesem konnten wir freundliche Menschen am Flughafen wirklich gebrauchen:

Der Tag begann damit, dass unser Flugzeug in Richtung Chicago wieder sehr früh – diesmal um 5:45 Uhr – startete. Da uns das Aufstehen um diese Zeit schon schwer genug fiel, waren wir auf dem Weg zum Flughafen (15 Minuten von der Hütte entfernt ) in Eile… Zu dumm, dass Ralph 18 Meilen zu schnell fuhr und somit von einem Polizeiauto angehalten wurde. Dies war das erste Mal seit unserer Ankunft hier, dass wir gestoppt wurden. Der Polizist war zwar freundlich, doch die Warterei und der Zeitverlust kostete uns die ersten Nerven. Endlich am Flughafen angekommen, wollten wir gerade „an Bord“ gehen, als Ralph bemerkte, dass die digitale Kamera fehlte: Sie war wohl noch im Kofferraum des Mietwagens. Dieser war abgestellt und der Schlüssel in der Schlüsselrückgabebox der Mietwagenfirma. Natürlich war um diese Uhrzeit niemand da, um die Box aufzuschließen. Wir rechneten schon damit, ohne Kamera und die vielen wertvollen Bilder auf dem Chip abzureisen, da fand sich eine Flughafenmitarbeiterin mit „kleiner Hand“. Unter Polizeiaufsicht angelte sie einen Schlüssel nach dem anderen aus der Kiste, bis der unsere zum Vorschein kam. Dank dieser Dame ist der Blogeintrag nun mit den entsprechenden Fotos doch möglich!! In Chicago hatte der Anschlussflug Verspätung, was hier jedoch schon zum Alltag gehört. Problematischer war, dass wir in Birmingham unser Auto im Parkhaus nicht mehr fanden. Ralph hatte sich extra notiert, dass es auf dem Parkplatz 302 stand. Doch da parkte nun ein anderes Fahrzeug. War unser Auto etwa gestohlen worden? Da wir derzeit einen Mercedes GL fahren, war dies durchaus denkbar. Nach einiger Zeit der erfolglosen Suche im heißen Parkhaus kam Ralph auf die Idee, den am Schlüssel befindlichen „Panic Button“ zu drücken. Und dann hupte es doch tatsächlich irgendwo im Parkhaus. Nach einigem Suchen war das Auto gefunden und wir mussten feststellen, dass es den Parkplatz 302 auf jedem Stockwerk gibt und wir einfach im falschen waren. Etwas gestresst lieferte wir Ralph bei der Arbeit ab. Zu Hause angekommen, wunderte ich mich über die Wärme und über den feuchten Geruch im Haus: Die Klimaanlage lief nicht. Und mir war bisher nicht klar, was das bedeutet: Nicht nur die Temperaturen stiegen im Laufe des Tages kontinuierlich an, sondern wir konnten auch keine Fenster oder Türen zum Lüften öffnen. Denn dadurch wäre noch mehr Hitze ins Haus gekommen. Der Reparaturdienst war zwar schnell beauftragt, doch da noch 7 Häuser vor uns auf dessen Liste standen, konnten wir nur im schwülen Haus sitzen und auf Abhilfe warten. Die gerade gewonnen Entspannung der vorausgegangenen Tage war im Nu wieder aufgebraucht. Wir waren jedoch froh, dass am Ende alles einen guten Ausgang hatte.

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