Die Vorbereitungen für den Schulbeginn in Tuscaloosa liefen auf Hochtouren. Über 4 Stunden durchsuchten wir „Super Target“ (Rieseneinkaufsladen) nach den aufgelisteten, für die 5. Klasse benötigten Schulutensilien. Was wir dort nicht fanden, gabs dann bei „Office Depot“ oder bei Walmart. Die Ausgaben endeten im dreistelligen Bereich und wurden leider nicht durch Mercedes erstattet…

Da mit der 5. Klasse die „Middle School“ beginnt, fand für Valentin eine kleine Veranstaltung vor dem Schulbeginn statt. Die Kinder bekamen Cookies und Ice Cream und durften Ihre „Locker“ (Schließfächer) beziehen….

Dies sah bei den Mädchen so aus, dass deren Mütter die Locker (Schließfächer) innen tapezierten und dann dazu passende Accessoirs wie Spiegel und Diskokugeln im Kronleuchterstil an der Decke anbrachten. Die Mini-Disko-Kronleuchter werden denn beim Öffnen des Lockers durch einen Bewegungsmelder angeschalten… So etwas haben wir noch nie gesehen und fragen uns, ob dies in Deutschland auch der Fall ist?!?! (Wir bitten um Kommentare hierzu).
Unsere Arbeit war schnell erledigt: Ein „Spiderman“-Poster an die Wand gehängt und einen Stundenplan plus Foto von uns 4en an die Innenseite der Türe…

„Wie geht nur das Zahlenschloss auf?

Endlich geschafft!!
„Locker-Decoration“

Auch für die „Lower School“ gab es einen Orientierungstag vor Schulbeginn. Hier hatten wir Glück, denn die Schulsachen wurden noch von der Schule bezahlt und von den Lehrern besorgt und alles war bestens vorbereitet. Leander freute sich, dass auch er Bücher, Hefte und Stifte bekam und konnte den Beginn an der für ihn neuen Schule kaum erwarten.

Gleich zu Beginn gab es in der Klasse eine Vorstellungsrunde, bei der sich jedes Kind als eine berühmte Person vorstellen musste. Leander kam als Mozart. Der Schulwechsel hatte ihm zum Glück gar keine Schwierigkeiten bereitet. Ein Kind aus der alten Schule hatte mitgewechselt und ein Junge von den Boy Scouts war auch neu in der Klasse.


So zufrieden wir mit der „Lower School“ der TA sind und waren, die „Middle School“ hat uns jedoch mit ein paar fraglichen Dingen überrascht, von denen wir bisher nichts wussten bzw. verschont waren. Hier ein paar Details dazu:
Die Lehrerin, die in der 5. und 6. Stufe „Literature“ unterrichtet, scheint ein großes Interesse für die Geschehnisse im „3. Reich“ zu haben. Jedenfalls lesen die Kinder (Amerikaner und Deutsche) in der 5. und 6. Klasse fast nur „3.-Reich-Bücher“, z. B.
– The Number of Stars von Lois Lowry,
– Boy in the Striped Pajamas von John Boyne.
Die Hausaufgaben waren nun gleich zu Schulbeginn, die Hintergründe dazu zu „googeln“. So verbrachten wir das Wochenende damit, Hakenkreuze und Judensterne auszudrucken und die Definitionen zu Konzentrationslager, Adolf Hitler etc. zusammenzustellen. Sicherlich ist dies ein Thema, über welches alle Kinder informiert werden sollten. Die Frage ist jedoch, ob Kinder im Alter von 10 – 11 Jahren nicht zur jung dafür sind. Außerdem gehört diese Thema unserer Meinung nach in den Geschichtsunterrricht und nicht und das Literaturfach. Als kritisch empfinden wir auch, dieses Thema so intensiv an einer Schule in Amerika zu behandeln, an denen sich so viele deutsche Kinder befinden. Ohne eine adequate Vorbereitung können die Geschehnisse falsch verstanden werden und ein negatives Licht auf die deutschen Kinder werfen. Gar nicht verstehen wir, dass die Klasse im September auf ein Ferienlager fährt, welches sich „American Life Project“ nennt:

Wir haben versucht herauszufinden, worum es dort geht und stießen dank der anderen deutschen Eltern mit älteren Kindern auf eine erschreckende Tatsache. Auf dem Camp soll den Kindern vermittelt werden, was Demokratie bedeutet und was es im Gegenzug dazu heißt, verfolgt und gefangen zu werden. Hierzu findet jedes Mal ein abendliches Spiel im Dunkeln statt. Die Kinder werden in Gruppen eingeteilt: Die eine Gruppe ist die „Stasi“, welche im Osten Berlins Menschen verfolgt und einsperrt. Hierzu rennt die Stasi mit Holzgewehren durch den Wald und schließt die Opfer in Holzhütten ein, um denen das Gefühl der Gefangenschaft zu vermitteln. Im Hintergrund werden Feuerwerkskörper abgeschossen, um Kanonenschläge zu simulieren. Da die Amerikaner durch die historischen Inhalte verwirrt sind, sind die beiden Gruppen für sie die Nazis und die Juden. Ich habe mit dem Personal des Camps telefoniert und die Aktion wurde mir bestätigt und für eine tolle und pädagogisch wertvolle Sache gehalten. Wir sind geschockt und werden unser Kind dort sicherlich nicht hinschicken. Ich habe die Dame von Project American Life am Telefon gefragt, weshalb nicht Themen wie die Sklaverei in den USA oder der Umgang mit den Indianer im eigenen Land behandelt wird. Das wäre – insbesondere im Süden der USA – doch viel sinnvoller und praxisnäher, doch sie hat meine Frage einfach ignoriert…
Stattdessen wird den Kinder immer wieder vorgehalten wie stolz sie sein können, Amerikaner zu sein und wie toll dieses Land ist. Hier ein paar Gedichte, die die Fünftklässler in diesem Schuljahr lernen:

Von den deutschen Eltern hören wir, was für Schwierigkeiten es zwischen den Amerikanischen und Deutschen Kindern in der Mittel- und Oberstufe gibt. Diese werden immer gravierender und in der derzeit 7. Klasse sprechen die Amerikanischen Kindern nicht mehr mit den deutschen. .. Ich wundere mich nicht darüber. Natürlich haben deutsche Eltern dies mit der Schulleitung diskutiert. Das Ergebnis war dies, dass die deutschen Kinder diese Bücher nicht lesen müssen, die Amerikaner aber weiterhin schon….
Zum Glück sind unsere Kinder noch nicht von diesen Schwierigkeiten betroffen und wir werden rechtzeitig abreisen. Valentin hat in der Zwischenzeit mehr Kontakt zu den amerikanischen Jungs als zu den deutschen. Unser Fazit ist jedoch, dass man besser mit Grundschulkindern nach Tuscaloosa reist als mit älteren. Den Besuch der Schule in den höheren Klassen können wir – jedenfalls zur Zeit – nicht empfehlen.
