Kurztrip nach Chicago (- the windy city)

Chicago14

Eigentlich sollten wir ja fleißig Kisten füllen und Möbel verpacken, doch stattdessen schnappten wir am vergangenen Freitag unser Handgepäck mit 4 Zahnbürsten und 4 Schlafanzügen und machten uns auf nach Birmingham. Dort bestiegen wir gegen 18 Uhr den Flieger, welcher uns nach 1,5 Stunden Flugzeit in Chicago wieder absetzte. Die Reise kam uns vor wie eine Busfahrt und wir konnten kaum glauben, dass wir so schnell von Alabama nach Chicago, Illinois kamen.

In Chicago angekommen, stellten wir als erstes fest, dass die Temperaturen dort mehr denen in Deutschland ähnelten. Weshalb Chicago auch „the windy city“ heißt, wussten wir nun auch. Jedenfalls konnten wir uns gleich mal darauf einstellen, was uns in 4 Wochen bezüglich der Temperaturen erwarten wird. Unser Hotel war direkt am Chicago River gelegen. Von hier aus konnten wir alles zu Fuß erreichen.

Chicago1 Chicago16

Am nächsten Tag machten wir uns auf zum Navy Pier. Dort gibt es ein riesiges „Children Museum“, in dem wir fast den ganzen Tag verbrachten. Hier waren die Kinder in ihrem Element und kaum zu bremsen:

Chicago2

Als Feuerwehrmänner,

Chicago7 Chicago17 Chicago8

Schmetterlingsfreunde,

Chicago9 Chicago10

Archäologen,

Chicago4 Chicago3

Experimentierer mit Wasser und

Chicago5 Chicago6

Maler.

Hier wurden u. a. Gemälde von der Skyline von Chicago erstellt.

Am Sonntag nahmen wir an einer der legendären Bootsfahrten auf dem Chicago River und Lake Michigan teil. Wir buchten gleich die erste Fahrt des Tages und landeten ausgerechnet inmitten einer Bootsfahrt für Hunde und Herrchen. Da freute sich unser „Hundefan Valentin“ ganz besonders und konnte das Ende der Fahrt kaum erwarten.

Chicago13 Chicago12

Anschließend begaben wir uns entlang der „Magnificent Mile“ zum John Hancock Tower, dem Wahrzeichen von Chicago. Im 94. Stock befindet sich dort die Aussichtsplattform. Da diese zum Glück innen liegt, kann man dort den Blick auf die Stadt in aller Ruhe und ohne zu frieren geniessen.

Chicago19 Chicago18

links: Willis Tower (ehem. Sears Tower), das nun 2.höchste Gebäude der USA

rechts: John Hancock Tower, das Wahrzeichen von Chicago

Chicago15

Chicago war und ist auf jeden Fall eine Reise wert. So einfach wie von Alabama aus werden wir dort jedoch nicht mehr hinreisen können.

Chicago11

Fayette Festival

Festival3 Festival12 Festival11

Einmal dabei sein bei einem der zahlreichen kunstgewerblerischen Märkten in den USA! Das dachten wir uns. Nachdem uns eine befreundete amerikanische Familie fragte, ob wir nicht den Verkaufsstand mit ihnen teilen wollten, waren wir mit von der Partie.

Festival8 Festival9 Festival7

Festival5 Festival4 Festival2

Dies bedeutete, dass wir an einem Samstag früh um halb 7 aufstanden und uns mit selbstgemachten „Leather Wrap Bracelets“ eine Stunde in Richtung Norden, ins tiefste Alabama aufmachten. Fayette war der Ort, an dem das Festival stattfand.

Festival15 Festival13 Festival18

Wir machten an diesem Tag so manche, interessante Erfahrung: Eine davon war zu erleben, wie schwer es doch ist, mit selbstgemachten Dingen wirklich Geld zu verdienen. Viele Verkäufer verbrachten den ganzen Tag an ihrem Stand ohne wirklich etwas zu verkaufen. Sehr interessant war das breite Spektrum an Verkaufsobjekten und die endlose Kreativität der Menschen. Die ausgefallendsten Dinge wurden angeboten: Aus Holz geschnitzte Vögel, „Windchimes“ aus altem Hausrat und Besteck (die oft in den Gruselfilmen ihren Einsatz finden), aufgespießte Teller als Gartendekoration, allerhand Schmuck, z. B. aus Gabeln und Besteckgriffen gefertigt, viele Vogelhäuser, Kleider und sonstige Dekorationsartikel.

Festival14

Auch für das Kinderprogramm war gesorgt. Es gab kostenloses Tonarbeiten und das Batiken von T-Shirts.

Festival19 Festival16 Festival17

Nachdem wir ca. 10 Runden auf dem Festplatz gedreht hatten, kamen wir auch mit den anderen Verkäufern ins Gespräch. Viele hatten eine Geschichte im Bezug auf Deutschland zu erzählen, sprachen selbst Deutsch oder beschenkten uns z. B. mit einem Vogelhaus. Wir hatten das Gefühl, dass die Menschen hier dankbar dafür waren, dass wir die eine oder andere Erinnerung durch die Begegnung in ihnen aufflackern ließen.

Festival22 Festival23 Festival21

Grundsätzliche hatten wir den Eindruck, dass es zum einen sehr arme Menschen beim Festival gab, die darauf angewiesen sind, nur den einen oder anderen Dollar zu verdienen. Andere sehen den Verkauf eher als Zeitvertreib und Hobby an. Auch wenn man nichts verkauft, ist die Teilnahme an einem Festival doch eine nette Beschäftigung. Zum einen rechtfertigt sie das ausgeübte Hobby und zum anderen verbringt man den ganzen Tag im Freien und gesellig zusammen mit anderen Menschen. In Alabama ist das Angebot an Freizeitaktiviäten eben nur eingeschränkt und man muss dankbar sein für jede Abwechslung, die das Leben hier im Süden bietet.

 

Good Bye Santa Rosa Beach…

 SantaRosa20

Wir möchten ja niemanden in Deutschland in Unruhe versetzen, doch ein paar Bilder unseres vergangenen langen Wochenendes in Santa Rosa Beach, Florida, gehören einfach online…

In den USA war Labor Day und somit hatten wir einen freien Tag mehr und fuhren mal wieder in 5 Stunden nach Florida. Auf der Fahrt dorthin gibt es nicht viel zu sehen. Wir machten wieder den obligatorischen Stop beim Family Restaurant „It don’t matter“ im Niemandsland von Alabama. Dort scheint dann jedoch immer die komplette Landbevölkerung versammelt zu sein und wir fühlen uns schon richtig zu Hause…

SantaRosa21

In Santa Rosa Beach angekommen, waren wir wieder von der Schönheit des Strandes und der dort vorgeschriebenen Architektur überwältigt. Wider Erwarten waren unser Ferienresort und die Strände menschenleer. Das Meer war dieses Mal so warm wie noch nie und wir konnten uns stundenlang darin aufhalten. Der Stil der Häuser am Ort ist vorgeschrieben und gefällt uns sehr. Nebenbei haben wir ein „Open Haus“ besichtigt, das für 2.200.000 Dollar zum Verkauf angeboten war. Auch wenn dies nicht ganz unsere Größenordnung ist, hoffen wir, ein paar gestalterische Anregungen mit nach Deutschland bringen zu können.

 SantaRosa10 SantaRosa12 SantaRosa28

SantaRosa6 SantaRosa4 SantaRosa19

SantaRosa8 SantaRosa7 SantaRosa17

Der zur Ferienhausanlage gehörende Clubpool….

SantaRosa26 SantaRosa23 SantaRosa2

Die vielen menschenleeren Möglichkeiten hier, bei warmer Luft und warmem Wasser zu schwimmen werden wir ganz bestimmt vermissen. Wir sind zu richtigen Wasserratten geworden!!

SantaRosa27

 

Back to School in Tuscaloosa…

Die Vorbereitungen für den Schulbeginn in Tuscaloosa liefen auf Hochtouren. Über 4 Stunden durchsuchten wir „Super Target“ (Rieseneinkaufsladen) nach den aufgelisteten, für die 5. Klasse benötigten Schulutensilien. Was wir dort nicht fanden, gabs dann bei „Office Depot“ oder bei Walmart. Die Ausgaben endeten im dreistelligen Bereich und wurden leider nicht durch Mercedes erstattet…

TA_5

Da mit der 5. Klasse die „Middle School“ beginnt, fand für Valentin eine kleine Veranstaltung vor dem Schulbeginn statt. Die Kinder bekamen Cookies und Ice Cream und durften Ihre „Locker“ (Schließfächer) beziehen….

TA_1  TA_2

Dies sah bei den Mädchen so aus, dass deren Mütter die Locker (Schließfächer) innen tapezierten und dann dazu passende Accessoirs wie Spiegel und Diskokugeln im Kronleuchterstil an der Decke anbrachten. Die Mini-Disko-Kronleuchter werden denn beim Öffnen des Lockers durch einen Bewegungsmelder angeschalten… So etwas haben wir noch nie gesehen und fragen uns, ob dies in Deutschland auch der Fall ist?!?! (Wir bitten um Kommentare hierzu).

Unsere Arbeit war schnell erledigt: Ein „Spiderman“-Poster an die Wand gehängt und einen Stundenplan plus Foto von uns 4en an die Innenseite der Türe…

TA_3

„Wie geht nur das Zahlenschloss auf?

TA_4

Endlich geschafft!!

TA_8 

„Locker-Decoration“

TA_6

Auch für die „Lower School“ gab es einen Orientierungstag vor Schulbeginn. Hier hatten wir Glück, denn die Schulsachen wurden noch von der Schule bezahlt und von den Lehrern besorgt und alles war bestens vorbereitet. Leander freute sich, dass auch er Bücher, Hefte und Stifte bekam und konnte den Beginn an der für ihn neuen Schule kaum erwarten.

TA_7

Gleich zu Beginn gab es in der Klasse eine Vorstellungsrunde, bei der sich jedes Kind als eine berühmte Person vorstellen musste. Leander kam als Mozart. Der Schulwechsel hatte ihm zum Glück gar keine Schwierigkeiten bereitet. Ein Kind aus der alten Schule hatte mitgewechselt und ein Junge von den Boy Scouts war auch neu in der Klasse.

TA_10

TA_11

So zufrieden wir mit der „Lower School“ der TA sind und waren, die „Middle School“ hat uns jedoch mit ein paar fraglichen Dingen überrascht, von denen wir bisher nichts wussten bzw. verschont waren. Hier ein paar Details dazu:

Die Lehrerin, die in der 5. und 6. Stufe „Literature“ unterrichtet, scheint ein großes Interesse für die Geschehnisse im „3. Reich“ zu haben. Jedenfalls lesen die Kinder (Amerikaner und Deutsche) in der 5. und 6. Klasse fast nur „3.-Reich-Bücher“,  z. B.

– The Number of Stars von Lois Lowry,

– Boy in the Striped Pajamas von John Boyne.

Die Hausaufgaben waren nun gleich zu Schulbeginn, die Hintergründe dazu zu „googeln“. So verbrachten wir das Wochenende damit, Hakenkreuze und Judensterne auszudrucken und die Definitionen zu Konzentrationslager, Adolf Hitler etc. zusammenzustellen. Sicherlich ist dies ein Thema, über welches alle Kinder informiert werden sollten. Die Frage ist jedoch, ob Kinder im Alter von 10 – 11 Jahren nicht zur jung dafür sind. Außerdem gehört diese Thema unserer Meinung nach in den Geschichtsunterrricht und nicht und das Literaturfach. Als kritisch empfinden wir auch, dieses Thema so intensiv an einer Schule in Amerika zu behandeln, an denen sich so viele deutsche Kinder befinden. Ohne eine adequate Vorbereitung können die Geschehnisse falsch verstanden werden und ein negatives Licht auf die deutschen Kinder werfen. Gar nicht verstehen wir, dass die Klasse im September auf ein Ferienlager fährt, welches sich „American Life Project“ nennt:

PAL_1

Wir haben versucht herauszufinden, worum es dort geht und stießen dank der anderen deutschen Eltern mit älteren Kindern auf eine erschreckende Tatsache. Auf dem Camp soll den Kindern vermittelt werden, was Demokratie bedeutet und was es im Gegenzug dazu heißt, verfolgt und gefangen zu werden. Hierzu findet jedes Mal ein abendliches Spiel im Dunkeln statt. Die Kinder werden in Gruppen eingeteilt: Die eine Gruppe ist die „Stasi“, welche im Osten Berlins Menschen verfolgt und einsperrt. Hierzu rennt die Stasi mit Holzgewehren durch den Wald und schließt die Opfer in Holzhütten ein, um denen das Gefühl der Gefangenschaft zu vermitteln. Im Hintergrund werden Feuerwerkskörper abgeschossen, um Kanonenschläge zu simulieren. Da die Amerikaner durch die historischen Inhalte verwirrt sind, sind die beiden Gruppen für sie die Nazis und die Juden. Ich habe mit dem Personal des Camps telefoniert und die Aktion wurde mir bestätigt und für eine tolle und pädagogisch wertvolle Sache gehalten. Wir sind geschockt und werden unser Kind dort sicherlich nicht hinschicken. Ich habe die Dame von Project American Life am Telefon gefragt, weshalb nicht Themen wie die Sklaverei in den USA oder der Umgang mit den Indianer im eigenen Land behandelt wird. Das wäre – insbesondere im Süden der USA – doch viel sinnvoller und praxisnäher, doch sie hat meine Frage einfach ignoriert…

Stattdessen wird den Kinder immer wieder vorgehalten wie stolz sie sein können, Amerikaner zu sein und wie toll dieses Land ist. Hier ein paar Gedichte, die die Fünftklässler in diesem Schuljahr lernen:

TA_9

Von den deutschen Eltern hören wir, was für Schwierigkeiten es zwischen den Amerikanischen und Deutschen Kindern in der Mittel- und Oberstufe gibt. Diese werden immer gravierender und in der derzeit 7. Klasse sprechen die Amerikanischen Kindern nicht mehr mit den deutschen. .. Ich wundere mich nicht darüber. Natürlich haben deutsche Eltern dies mit der Schulleitung diskutiert. Das Ergebnis war dies, dass die deutschen Kinder diese Bücher nicht lesen müssen, die Amerikaner aber weiterhin schon….

Zum Glück sind unsere Kinder noch nicht von diesen Schwierigkeiten betroffen und wir werden rechtzeitig abreisen. Valentin hat in der Zwischenzeit mehr Kontakt zu den amerikanischen Jungs als zu den deutschen. Unser Fazit ist jedoch, dass man besser mit Grundschulkindern nach Tuscaloosa reist als mit älteren. Den Besuch der Schule in den höheren Klassen können wir – jedenfalls zur Zeit – nicht empfehlen.

TA_13 TA_12