Nächtliche Aufregung im Gaineswood Neighborhood…

Erst mal zur Beruhigung: Nein, das Haus auf dem Foto ist nicht unser Haus!!

Allerdings wurden Ralph ich und heute früh gegen 4 Uhr wach, da es draußen oder drinnen 4 x geknallt hatte. Wir dachten zunächst an Einbrecher (?). Doch dann sahen wir, dass die Garage des Hauses schräg über die Straße brannte. Noch war nur das Feuer zu sehen, doch kurz darauf trafen eine Vielzahl Feuerwehrwagen ein. In „Schlafkleidung“ verließen wir das Haus und stellten fest, dass es draußen eisig kalt war. Einige andere Nachbarn (die wir auf diese Weise kennenlernten), gesellten sich zu uns und das Bild des  Brandes schien für uns noch immer wie im Traum.

Schließlich war die Garage gelöscht und wir dachten, das war‘s. Doch plötzlich schlugen die Flammen aus dem Dach und das komplette Haus brannte. Es schien endlos zu dauern, bis das ganze Feuer endlich gelöscht war. Es wurde uns bewusst, wie schnell eine so mühsam aufgebaute Existenz mit all ihren Werten zunichte gehen kann und wie klein all unsere Problemchen aus dieser Sicht doch sind…

Schule

Seit vier Wochen gehen die Kinder nun bereits in die Schule in Tuscaloosa. Nach einigen Überlegungen hatten wir uns für die Capital School, eine kleine, internationale Schule mit langjähriger Deutscherfahrung entschieden. Unterrichtet wird nach dem Prinzip der „Multiple Intelligence“ (We believe that each student has multiple intelligences and should have experiences in all of these areas). Was die Internationalität betrifft, kommen die meisten Kinder aus den USA und ein kleiner Anteil aus Deutschland. Allerdings lernen alle Kinder – auch die Amerikaner – ab der ersten Klasse Deutsch. Unsere Kinder haben 4 Stunden pro Woche bei einer deutschen Lehrerin „German for natives“. Da in jeder Deutschgruppe nur 3 – 4 Kinder sind, ist der Unterricht recht individuell.

Leander hatte am ersten Schultag eine kleine Einschulungsfeier mit Schultüten nach deutscher Tradition. Bei ihm sind 28 Kinder in der Klasse, wobei „Kindergarten“ und „1st Grade“ zusammengefasst sind. In dieser Klasse hat es 2 Lehrerinnen und es insg. 4 deutsche Jungs. Somit hat er reichlich Auswahl an Spielkameraden. Auch das Fächerangebot ist breit: Kunst, Musik, Geigen (Suzuki), Deutsch, Mathe, Englisch, Sport, Schwimmen, Chinesisch und Spanisch.

Valentin wurde in die Klasse der 9 – 12-jährigen eingeteilt. In dieser Stufe sind die Kinder ab der „4th Grade“. In Deutschland wäre Valentin ja eigentlich in der 3. Klasse, doch da er vom Alter her gerade an der Grenze ist, wurde er eine Gruppe höher eingestuft. Der Vorteil ist, dass in dieser Klasse nur 10 Kinder mit zwei Lehrerinnen sind und dass eine individuellere Betreuung möglich ist. Dafür ist die Auswahl an Kindern geringer und weitere deutsche Kinder hat es dort keine.

Somit ist Valentin gezwungen, sich schnell mit dem Englischen anzufreunden. Valentin hat mit 2 deutschen Mädchen aus der Stufe darunter Deutschunterricht und den Englischunterricht für Deutsche genießt er sogar ganz alleine… Zusätzliche zu den Fächern oben gibt es bei Valentin täglich „Historie“ und Science. Science gefällt ihm am besten.

Ins Schwimmen fahren die Kinder zeitversetzt mit einem kleinen Schulbus an die Uni. Beide waren sehr empört darüber, dass hier mit dem Kraulschwimmen begonnen wird und sie das beide bisher nicht können. Nun bekommen sie auch darin Einzelunterricht und haben einen Vorteil, wenn das Brustschwimmen dran ist.

Die Schule besteht aus 4 kleinen, hübschen, hölzernen Südstaatenhäuschen. Eines gehört zu den ältesten der Stadt (um 1820) und die anderen stammen von anderen Orten und wurden am jetzigen Ort wieder aufgebaut. Insgesamt sind nur 100 Schüler an der Schule. Wir genießen, dass alles sehr persönlich ist und für alles eine Lösung gefunden wird (z. B. hat Valentin nun währen der Chinesischstunde Mathe und Englisch während der Geschichtsstunde).  Die maximale Betreuungszeit der Schule ist von 7:30 – 17:30 Uhr.  Wer sich leisten kann, die Kinder kürzer in der Schule zu lassen, nutzt die Zeiten 8:30 – 15:30 Uhr. Und schon sind wir beim Thema Ganztagsschule, wogegen ich mich in Stuttgart so gesträubt habe. Aus eigener Erfahrung kann ich nun sagen, dass die Ganztagsschule für uns nicht in Frage kommt. Das Schulende um 15:30 Uhr bedeutet, dass wir gegen 16 Uhr nach Hause kommen. Die Kinder hatten nur ein Vesper und meist nicht genug getrunken. Somit müssen wir das Essen dann ganz schnell nachholen. Mittagessen um 16 Uhr ist eigentlich zu spät.

Hausaufgaben gibt es auch noch. Diese und sonstige Aktivitäten (bei uns derzeit nur Cello- und Geigenstunde und das tägliche Üben) müssen dann auch noch untergebracht werden. Zeit für Kreativität, Fantasiespiele und Unternehmungen, zum Ausruhen oder Verabreden bleibt kaum. Die Kinder haben sich darüber sehr beklagt! Anfangs fragte Leander beim Essen nach der Schule immer, ob das nun das Mittagessen wäre. Wenn wir viel unterwegs waren, ist sein Fazit: „Jetzt haben wir wieder so viel Spielezeit verplempert..“. Um allem gerecht zu werden, wird der Abend täglich sehr lang und der Tag endet um 22 Uhr viel zu spät. Ich habe den Eindruck dass die Kinder bei dem langen Schultag jedoch nicht mehr lernen. Bei uns ist der Stundenplan einfach komprimierter und er konzentriert sich auf die relevanten Fächer. Die Zeit wird nicht mit Aktivitäten am PC oder mit „jeder arbeitet oder liest für sich-Stunden“ „gefüllt“. Für mich war nun die Frage, wie wir die nächste Zeit unter diesen Bedingungen verbringen können. Ganztagsschule ist hier üblich. Viele Frauen sind ganztags berufstätig. Es gibt keine Schulen (nicht mal die Waldorfschule) mit früherem Schulende. Allerdings gibt es wohl auch keine Schulpflicht. Wir haben einige Familien kennengerlernt, die soweit möglich „Home-Schooling“ betreiben und den Schulalltag dadurch um die Mittagszeit beenden. Wir haben den großen Vorteil, dass unsere Schule nicht auf Anwesenheiten und auf feste Zeiten besteht. D. h., wir können den Schultag auch vor 15:30 beenden oder mal eine Woche ausfallen lassen…. Somit entscheiden wir je nach Stundenplan und ich hole die Kinder – falls möglich – schon um 14 Uhr ab.

An der University of Alabama, welche sich in Tuscaloosa befindet, gibt es eine Musical School und wir haben sehr nette Geigen- und Cellolehrerinnen gefunden. Ralph und mich versucht die sog. „Community Music School“ für ein Jugend(??)-Orchester zu werben, da es dort nicht genügend Celli und Trompeten gibt. In derselben Zeit findet ein Orchester für die Kinder statt. Was die Musik betrifft, wurden wir hier somit fündig!