Wir machen es (nicht) wie die anderen Länder!

Bezugnehmend auf einen einen Artikel in der Stuttgarter Zeitung habe ich einen Leserbrief zum Thema „Ganztagsschule“ an die Redaktion geschickt. Ob er veröffentlich wird, weiß ich nicht, doch wenigstens auf unserer Internetseite möchte ich diesen darstellen:

Wir machen es (nicht) wie die andern Länder!

Als Familie mit zwei Grundschulkindern verfolgen wir schon seit längerem die Entwicklungen in Baden-Württemberg zum Thema Ganztagsgrundschule. Vor zwei Monaten zogen wir von Stuttgart aus für einige Jahre in die USA. Hier sind wir nun unfreiwillig Besucher einer Ganztagsgrundschule. Wir können nun aus eigender Erfahrung berichten und die im Artikel „Wann sollen denn die Kinder noch singen“ (18.09.12 Stz) aufgezeigten Befürchtungen nur bestätigen. Die Schulen beginnen hier zwischen 8 und 8:30 Uhr und enden zwischen 15 – 15:30 Uhr. Es war schon zu erwarten, daß unsere Kinder und ich als Mutter damit nicht zurechtkommen würden: Ausreichend und gesund im Kreis der Familie essen, Hobbies (Musik, Sport) ausüben, Hausaufgaben machen, Musikinstrumente üben, Freunde treffen, Unternehmungen machen, ausruhen, spielen etc. muss nun im Zeitfenster von 16 – 19 Uhr untergebracht werden. Dies ist einfach nicht möglich.

Dennoch ist einiges zu den Gegebenheiten hier in den USA zu sagen: Viele Eltern entscheiden sich hier zum sog. „Homeschooling“. D. h. die Kinder (v. a. Grundschulkinder) werden zu Hause von den eigenen Eltern unterrichtet. Einmal in der Woche findet ein Treffen der Eltern und Kinder, die „homeschoolen“ statt, bei dem Inhalte besprochen werden und eine Anleitung durch Fachleute stattfindet. Hier ist es den Eltern selbst überlassen, wie lange der Schulalltag dauern soll. Da das Homeschooling sehr individuell und effektiv ist, endet die Schule für diese Kinder vor dem Mittagessen. Ein weiterer Punkt darf nicht vergessen werden:  In den USA haben die Kinder fast 3 Monate Sommerferien, in der das Spielen und Kind sein nachgeholt werden kann. In Deutschland sind es dagegen nur 6 Wochen. Wir selbst haben für uns mit der amerikanischen Schule einen individuellen Weg gefunden und dürfen unsere Kinder bereits um 14 Uhr abholen. Auch so etwas ist hier möglich.

Wenn Deutschland sich unbedingt an den anderen Ländern im Hinblick auf die Bildungssituation orientieren möchte, sollte dies doch ganzheitlich geschehen. Nicht nur Verpflichtungen sollten übernommen werden, sondern auch Freiheiten.

 Susanne H.

Ein Gedanke zu „Wir machen es (nicht) wie die anderen Länder!

  1. Liebe Susi,
    vielen herzlichen Dank für deine tollen ausführlichen Einträge im Tagebuch aus den USA. Es bringt uns ein wenig aus dem Alltagstrott und wir können das eine oder andere aus einer etwas anderen Perspektive sehen. Zudem träumen wir nach wie vor von Australia, und sehnen uns mehr denn je danach – vor allem jetzt, wenn wir morgens bei Dunkelheit zur Arbeit fahren und bei Dunkelheit wieder nach Hause kommen. Und das bei zunehmender Kälte. Heute nach ist erstmals Frost und Glätte angesagt. Da beneiden wir euch natürlich um das Wetter bzw. die Temperaturen, aber auch um eure experience. Genießt den American Way of Life – auch in der Gewissheit: jede Medaille hat zwei Seiten.
    Grüße mir herzlich den Rest der Familie und lasst es Euch gut gehen
    Sandra mit Matthias & Maxe

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