Halloween

Auch wenn wir eigentlich nicht die großen Halloween-Fans  sind, kamen wir hier nicht drum rum, uns diesem Event anzuschließen. Schon seit August wurden wir in den Läden darauf vorbereitet. Dank der Harry Potter Umhänge aus Orlando waren wir zum Glück gut gerüstet bzw. verkleidet. Der Tag begann verkleidet in der Schule.

Hier wurden verschiedene Kleinigkeiten zu Themen, die von Geist bis Herbst reichten, gebastelt. Die Kinder selbst waren allerdings als alles Mögliche verkleidet, es gab z. B. auch Prinzessinnen, Engel, Bienen etc. Somit scheint dieses Fest unser Fasching zu ersetzten.

Sobald die Dunkelheit einbrach, kamen auch schon die ersten Kinder in unserer „Neighborhood“ vorbei. Allerdings läuten diese nur dort, wo auch der Eingangsbereich beleuchtet ist. Unschöne Aktionen, wie das in Deutschland modern gewordenen Eierwerfen gibt es hier nicht. Auch am anderen Tag war nirgends eine Spur von Farbe oder sonstigen sogenannten „Tricks“ zu sehen. Alle Häuser waren äußerst gut vorbereitet und auch die erwachsenen Bewohner waren hin und wieder verkleidet. In der Mitte unseres Wohngebietes gibt es ein riesiges Haus, welches wie ein Schlösschen über allem thront. Dort musste natürlich auch geläutet werden. Und der Bewohner lud uns gleich ein, sein Wohnzimmer zu besichtigen. Was wir dort sahen, war der gruseligste Eindruck des ganzen Abends: Das Wohnzimmer war vollgestopft von selbst gejagten und präparierten Tieren. Darunter befanden sich auch ein Braunbär, ein Löwe, eine Giraffe und unzählige Hirsche, Rehe und andere heimische Tiere….

Valentin zog mit einem Nachbarjungen durch das Wohngebiet und machte reichlich Beute. Leander war bereits nach einigen Häusern zufrieden wieder heimgekehrt. Auch an unserer Haustüre wurde rund ein Dutzend mal geläutet, und auch Kinder aus entfernteren Neighborhoods waren bei den Candy-Sammlern dabei. Unsere Gegend scheint hinsichtlich Süssigkeiten lukrativ zu sein.  Auf jeden Fall haben wir diese Festlichkeit intensiv in ihrem Ursprungsland miterlebt.

 

 

Das Trampolin

Was machem wir hier nicht alles, was wir in Deutschland nicht gemacht hätten…

Nun sind wir also auch stolze Besitzer eines Trampolins. Und dieses hat die Größe von 14 feet oder 4, 27 Meter Durchmesser… Wenigstens steht nicht in den sogenannten „Neighborhood Rules“, dass das Aufstellen eines Trampolins verboten ist. Ca. 6 Wochen nach unserem Einzug stellten wir nämlich fest, dass wir uns an diese Neighborhood Rules halten müssen, über die wir im Vorfeld gar nicht informiert wurden. Bei diesen Regeln handelt es sich um 38 Seiten, die darstellen, was man hier alles nicht machen darf. Dazu gehören auch das Aufstellen eines Pools im Garten sowie das Aufstellen jeglicher Dinge (Auto, Boot, Rasenmäher, Golfcart etc.) außerhalb von Haus und Garage. Auch ein Auto darf nicht vor dem Haus geparkt werden. Sämtliche Bepflanzungen und Änderungen müssen vom Neighborhood-Ausschuß genehmigt werden… Auf diese Weise sieht das Wohngebiet sehr gepflegt aus und niemand stellt Gewächshäuser an die Grundstücksgrenze oder baut in der Fernsehzeitung angepriesene Wintergärten ans Haus. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich die Frage, wozu der Garten eigentlich zu nutzen ist und ob man sich in der persönlichen Freiheit so sehr einschränken möchte – vor allem ohne dies im Vorfeld gewußt zu haben…

Das Trampolin hat sich jedenfalls bewährt. Noch nicht fertig aufgebaut kamen bereits Kinder aus der Nachbarschaft vorbei, um zu springen. Und dies ging auch ohne perfekte Verständigung in der englischen Sprache.

 

Endlich Urlaub…

Nachdem wir unseren ursprünglich geplanten Sommerurlaub in Süd-Frankreich aufgrund der Ausreise nach Amerika absagen mussten, holten wir den Urlaub nun in Florida nach. Nach den anstrengenden letzten Monaten hatten wir alle dringend etwas Erholung nötig.

Eigentlich erreicht man die Gulf Coast und Florida innerhalb von 5 Stunden mit dem Auto von Tuscaloosa aus. Unsere Kinder wünschten sich jedoch nichts mehr, als den Harry Potter Park in Orlando aufzusuchen. Somit legten wir die doppelte Strecke zurück und landeten in Holmes Beach, unterhalb der Halbinsel Anna Maria Island. Es handelte sich um eine sehr schmale Landzunge und somit gab es dort auch nur kleine, sehr gepflegte, hübsche Ferienhäuschen. Der Ort war sehr friedlich und außer am Pool oder Strand zu liegen, bzw. zu baden, gab es dort eigentlich nichts zu tun. Und das war auch mal gut so.

Ein Ferienhaus wie dieses hatten wir noch nie. Wir hatten einen palmenbewachsenen Garten mit eigenem Pool mit Wasserfall nur für uns selbst. In die eine Richtung war das Meer nur einige Meter entfernt und in die andere Richtung unser „Standard-Supermarkt“. Auch ein wirklich leckeres deutsches Schnitzelhaus gab es in fußläufiger Entfernung und die Kinder konnten sich endlich mal wieder so richtig satt essen (Schnitzel mit Spätzle und Kartoffelpuffer mit Apfelmus).

Jedenfalls hätten wir den Urlaub komplett „autofrei“ verbringen können, wäre da nicht der Harry Potter Park in Orlando gewesen. Nach 2-stündiger Fahrt kamen wir am Parkgelände und nach einem weiteren längeren Fußmarsch endlich am Harry Potter Park an. Die Szenen des Films, die Tour durch Hogwarts und die nachgebaute Winkelgasse waren zwar eindrucksvoll, das „voll“ kann man jedoch auch auf die Menschenmassen beziehen. Ferienzeit war eigentlich keine, doch wir waren erstaunt, wieviele Erwachsene zu den Harry Potter Fans zählen und den sehr hohen (!!!) Eintrittspreis auf sich nehmen…

Noch voll der Eindrücke des Parkbesuchs folgte am nächsten Tag der 7. Geburtstag von Leander, den wir gemütlich am Ferienort verbrachten. Das Festessen fand im Schnitzelhaus statt. Interessant waren die Online-Bewertungen für dieses Restaurant. Deutsche Gäste (von denen es in Holmes Beach viele gibt) hatten das Restaurant durchweg als sehr gut bewertet. Amerikanische Gäste dagegen bewerteten das Essen als gut und das Personal als „unfreundlich“. Tatsächlich entsprach die Bedienung der, die wir in Deutschland gewöhnt sind – sachlich und höflich. Die Amerikaner scheinen dies jedoch als unfreundlich zu empfinden.

Insgesamt würden wir die Reise – trotz 11-stündiger Fahrt – jederzeit wieder auf uns nehmen. Temperaturen, Strand, Unterkunft und Umgebung waren einfach perfekt und auch die Autofahrt ist deutlich weniger anstrengend als in Deutschland.

Wir machen es (nicht) wie die anderen Länder!

Bezugnehmend auf einen einen Artikel in der Stuttgarter Zeitung habe ich einen Leserbrief zum Thema „Ganztagsschule“ an die Redaktion geschickt. Ob er veröffentlich wird, weiß ich nicht, doch wenigstens auf unserer Internetseite möchte ich diesen darstellen:

Wir machen es (nicht) wie die andern Länder!

Als Familie mit zwei Grundschulkindern verfolgen wir schon seit längerem die Entwicklungen in Baden-Württemberg zum Thema Ganztagsgrundschule. Vor zwei Monaten zogen wir von Stuttgart aus für einige Jahre in die USA. Hier sind wir nun unfreiwillig Besucher einer Ganztagsgrundschule. Wir können nun aus eigender Erfahrung berichten und die im Artikel „Wann sollen denn die Kinder noch singen“ (18.09.12 Stz) aufgezeigten Befürchtungen nur bestätigen. Die Schulen beginnen hier zwischen 8 und 8:30 Uhr und enden zwischen 15 – 15:30 Uhr. Es war schon zu erwarten, daß unsere Kinder und ich als Mutter damit nicht zurechtkommen würden: Ausreichend und gesund im Kreis der Familie essen, Hobbies (Musik, Sport) ausüben, Hausaufgaben machen, Musikinstrumente üben, Freunde treffen, Unternehmungen machen, ausruhen, spielen etc. muss nun im Zeitfenster von 16 – 19 Uhr untergebracht werden. Dies ist einfach nicht möglich.

Dennoch ist einiges zu den Gegebenheiten hier in den USA zu sagen: Viele Eltern entscheiden sich hier zum sog. „Homeschooling“. D. h. die Kinder (v. a. Grundschulkinder) werden zu Hause von den eigenen Eltern unterrichtet. Einmal in der Woche findet ein Treffen der Eltern und Kinder, die „homeschoolen“ statt, bei dem Inhalte besprochen werden und eine Anleitung durch Fachleute stattfindet. Hier ist es den Eltern selbst überlassen, wie lange der Schulalltag dauern soll. Da das Homeschooling sehr individuell und effektiv ist, endet die Schule für diese Kinder vor dem Mittagessen. Ein weiterer Punkt darf nicht vergessen werden:  In den USA haben die Kinder fast 3 Monate Sommerferien, in der das Spielen und Kind sein nachgeholt werden kann. In Deutschland sind es dagegen nur 6 Wochen. Wir selbst haben für uns mit der amerikanischen Schule einen individuellen Weg gefunden und dürfen unsere Kinder bereits um 14 Uhr abholen. Auch so etwas ist hier möglich.

Wenn Deutschland sich unbedingt an den anderen Ländern im Hinblick auf die Bildungssituation orientieren möchte, sollte dies doch ganzheitlich geschehen. Nicht nur Verpflichtungen sollten übernommen werden, sondern auch Freiheiten.

 Susanne H.

What to do in Tuscaloosa…

Das Städtchen Tuscaloosa ist hauptsächlich durch die University of Alabama und ihr Universitätsleben geprägt. Ansonsten gibt es die üblichen Outlet Malls und Restaurantketten, ein paar Seen und einen Fluß, den Black Warrior River. Seen und Flüsse hören sich ja eigentlich ganz gut an – dachten wir – doch leider gibt es bei beidem keinen Zugang. Die Ufer sind meist in Privatbesitz und touristisch sind sie nicht erschlossen. Somit muss man schon etwas genauer suchen, um geeignete Freizeitaktivitäten zu finden.

Von einigen dieser Highlights berichten wir kurz:

  • Lake Lurleen  State Park: In ca. 25 Minuten Fahrt von uns kommt man an den Lake Lurleen. Dies ist ein See mit Sandstrand, Badezone und Duschen. Und das Beste: Der See ist relativ warm und menschenleer….Die Kinder genießen es sehr, zum ersten Mal in einem warmen Gewässer in der freien Natur zu baden. Endlich haben sich die auf Sylt gekauften  und dort nie benutzen Schwimmbretter bewährt….

 

 

 

 

  • Dismals Canyon: Hierher sind es schon 2 Stunden Autofahrt in Richtung Norden.

 

 

 

 

 

 

 

Doch der Weg hat sich gelohnt. Dort gibt es einen kleinen, sehr bewachsenen und für die Kinder höchst spannenden Canyon. Es gibt sehr dünnen Felsspalten mit dem Namen „Fat Mans Misery“, durch die man sich hindurchzwängen muss. Obwohl man nie weiß, wo man eigentlich ist, findet man doch wieder zum Eingang zurück. Leanders Kommentar war zwar, dass der Ausflug  „zu viel Spielezeit verbraucht hätte“, doch Valentin war stark beeindruckt.

 

 

  • Wir hatten ein „Picknick“  an unserer Schule. Diese bestand darin, dass man sich an einer fahrbaren Bude Hamburger, Hot Dog oder French Fries kaufen konnte und war insgesamt sehr ungezwungen. Sämtliche Familien tummelten sich auf der Wiese des Capitol Parks, welcher an die Schule angrenzt und auch als Pausenhof dient. Die Kinder haben das Fest sehr genossen und fühlten sich bereits ganz zu Hause.

 

 

 

 

  • Das „Science Lab“ in der Library of Tuscaloosa: Einmal im Monat findet eine Art „Kinderuni“ statt. Allerdings für alle offen und ohne Anmeldung. Die Eltern dürfen dabei bleiben und auch noch etwas lernen… Wir hatten nun schon das Thema „Electricity“ und „The human body“.

 

 

 

 

 

 

Soviel zu den sogenannten „außerplanmäßigen Aktivitäten“ in Tuscaloosa und Umgebung.

Doch es gibt noch mehr zu berichten. Ich bin immer wieder erstaunt, wie anders die USA – zumindest hier im Süden – doch sind, als erwartet. Zwei kleine Anekdoten  dazu:

Es gibt hier einen deutschen Stammtisch. Diesen habe ich erstmalig aufgesucht. Hauptsächlich vertreten waren dort ein deutscher Pfarrer und einige ältere Amerikaner, die die deutsche Sprache nicht verlernen möchten. Ich hatte mich noch gewundert, weshalb ein junger deutscher Mann „in den besten Jahren“ dort saß und nicht bei der Arbeit war. Nun, er kam ebenfalls über eine Firma (Autozulieferer) hierher nach Tuscaloosa und wurde, nachdem er 6 Wochen hier war, in Downtown Tuscaloosa angeschossen. Ein Amokläufer hat wahllos auf 17 Menschen geschossen. Der Deutsche erlitt einen Schuß durch Leber und Lunge, nachdem die Kugel einen anderen Menschen durchwandert hatte… Nun verbrachte er die meiste Zeit im Krankenhaus. Im Dezember endet sein Aufenthalt hier und zur Arbeit wird er hier nicht mehr gehen können…

So „life“ hatte ich mit abbrennenden Häusern und durchschossenen Menschen während unseres Lebens in Deutschland nicht zu tun…

In der vergangenen Woche suchte ich das hiesige Gesundheitsamt auf, um dort eine Impfbescheinigung für die Kinder ausstellen zu lassen. Die Vorlage dieser  an den Schulen ist Pflicht in den Alabama. Um sicher zu gehen, dass ich die Reise nicht umsonst antrete, informierte ich mich vorab telefonisch bei diesem Amt, zu welchen Zeiten ich kommen müsste und was mitzubringen sei. Nach einigem Suchen angekommen, erkundigte ich mich an einem Informationstisch am Eingang nach dem richtigen Ort für diese Sache. Ohne Zögern verwies man mich an die zweite Türe rechts. Diese hatte die Überschrift „Atem und Lungenangelegenheiten“. Von hier wurde ich eine Tür weiter geschickt: Zum Zimmer mit der Bezeichung „Zahnarzt“. Dies ging so weiter von Tür zu Tür, bis man mich schließlich zur allerletzten Türe mit der Überschrift „Frauenarzt“ schickte. Ich wollte nun nicht glauben, dass die Frauenarztabteilung Impfbescheinigungen für Kinder ausstellt, doch hier war ich endlich richtig. Allerdings wurde mir nun mitgeteilt, ich könne erst wieder ab 13:30 Uhr in dieser Sache kommen. Es war jedoch gerade 11 Uhr und meine vorausgegangene telefonische Anfrage hatte mir eine Bearbeitung bis 16 Uhr zugesagt. Nach einigem Protest meinerseits durfte ich also im Wartezimmer platznehmen. Endlich aufgerufen, wurde mir mitgeteilt, dass ich die richtigen Dokumente nicht dabei hätte. Erneuter Protest meinerseits (ich hatte mich ja auch diesbezüglich zuvor telefonisch erkundigt) führte zu der Aussage „the regulations have changed“… – Innerhalb einer Stunde haben sich die Vorschriften diesbezüglich geändert? Na, damit gab ich mich sicherlich nicht zufrieden. Nach erneutem Warten durfte ich schließlich eine „Nurse“ (Krankenschwestern üben in vielen Bereichen die Tätigkeiten aus, für die bei uns die Ärzte zuständig sind) sehen. Schließlich verließ ich dieses Amt mit allen Unterlagen, die ich benötigte, aber dafür mit einigen Nerven weniger…

Nächtliche Aufregung im Gaineswood Neighborhood…

Erst mal zur Beruhigung: Nein, das Haus auf dem Foto ist nicht unser Haus!!

Allerdings wurden Ralph ich und heute früh gegen 4 Uhr wach, da es draußen oder drinnen 4 x geknallt hatte. Wir dachten zunächst an Einbrecher (?). Doch dann sahen wir, dass die Garage des Hauses schräg über die Straße brannte. Noch war nur das Feuer zu sehen, doch kurz darauf trafen eine Vielzahl Feuerwehrwagen ein. In „Schlafkleidung“ verließen wir das Haus und stellten fest, dass es draußen eisig kalt war. Einige andere Nachbarn (die wir auf diese Weise kennenlernten), gesellten sich zu uns und das Bild des  Brandes schien für uns noch immer wie im Traum.

Schließlich war die Garage gelöscht und wir dachten, das war‘s. Doch plötzlich schlugen die Flammen aus dem Dach und das komplette Haus brannte. Es schien endlos zu dauern, bis das ganze Feuer endlich gelöscht war. Es wurde uns bewusst, wie schnell eine so mühsam aufgebaute Existenz mit all ihren Werten zunichte gehen kann und wie klein all unsere Problemchen aus dieser Sicht doch sind…

Schule

Seit vier Wochen gehen die Kinder nun bereits in die Schule in Tuscaloosa. Nach einigen Überlegungen hatten wir uns für die Capital School, eine kleine, internationale Schule mit langjähriger Deutscherfahrung entschieden. Unterrichtet wird nach dem Prinzip der „Multiple Intelligence“ (We believe that each student has multiple intelligences and should have experiences in all of these areas). Was die Internationalität betrifft, kommen die meisten Kinder aus den USA und ein kleiner Anteil aus Deutschland. Allerdings lernen alle Kinder – auch die Amerikaner – ab der ersten Klasse Deutsch. Unsere Kinder haben 4 Stunden pro Woche bei einer deutschen Lehrerin „German for natives“. Da in jeder Deutschgruppe nur 3 – 4 Kinder sind, ist der Unterricht recht individuell.

Leander hatte am ersten Schultag eine kleine Einschulungsfeier mit Schultüten nach deutscher Tradition. Bei ihm sind 28 Kinder in der Klasse, wobei „Kindergarten“ und „1st Grade“ zusammengefasst sind. In dieser Klasse hat es 2 Lehrerinnen und es insg. 4 deutsche Jungs. Somit hat er reichlich Auswahl an Spielkameraden. Auch das Fächerangebot ist breit: Kunst, Musik, Geigen (Suzuki), Deutsch, Mathe, Englisch, Sport, Schwimmen, Chinesisch und Spanisch.

Valentin wurde in die Klasse der 9 – 12-jährigen eingeteilt. In dieser Stufe sind die Kinder ab der „4th Grade“. In Deutschland wäre Valentin ja eigentlich in der 3. Klasse, doch da er vom Alter her gerade an der Grenze ist, wurde er eine Gruppe höher eingestuft. Der Vorteil ist, dass in dieser Klasse nur 10 Kinder mit zwei Lehrerinnen sind und dass eine individuellere Betreuung möglich ist. Dafür ist die Auswahl an Kindern geringer und weitere deutsche Kinder hat es dort keine.

Somit ist Valentin gezwungen, sich schnell mit dem Englischen anzufreunden. Valentin hat mit 2 deutschen Mädchen aus der Stufe darunter Deutschunterricht und den Englischunterricht für Deutsche genießt er sogar ganz alleine… Zusätzliche zu den Fächern oben gibt es bei Valentin täglich „Historie“ und Science. Science gefällt ihm am besten.

Ins Schwimmen fahren die Kinder zeitversetzt mit einem kleinen Schulbus an die Uni. Beide waren sehr empört darüber, dass hier mit dem Kraulschwimmen begonnen wird und sie das beide bisher nicht können. Nun bekommen sie auch darin Einzelunterricht und haben einen Vorteil, wenn das Brustschwimmen dran ist.

Die Schule besteht aus 4 kleinen, hübschen, hölzernen Südstaatenhäuschen. Eines gehört zu den ältesten der Stadt (um 1820) und die anderen stammen von anderen Orten und wurden am jetzigen Ort wieder aufgebaut. Insgesamt sind nur 100 Schüler an der Schule. Wir genießen, dass alles sehr persönlich ist und für alles eine Lösung gefunden wird (z. B. hat Valentin nun währen der Chinesischstunde Mathe und Englisch während der Geschichtsstunde).  Die maximale Betreuungszeit der Schule ist von 7:30 – 17:30 Uhr.  Wer sich leisten kann, die Kinder kürzer in der Schule zu lassen, nutzt die Zeiten 8:30 – 15:30 Uhr. Und schon sind wir beim Thema Ganztagsschule, wogegen ich mich in Stuttgart so gesträubt habe. Aus eigener Erfahrung kann ich nun sagen, dass die Ganztagsschule für uns nicht in Frage kommt. Das Schulende um 15:30 Uhr bedeutet, dass wir gegen 16 Uhr nach Hause kommen. Die Kinder hatten nur ein Vesper und meist nicht genug getrunken. Somit müssen wir das Essen dann ganz schnell nachholen. Mittagessen um 16 Uhr ist eigentlich zu spät.

Hausaufgaben gibt es auch noch. Diese und sonstige Aktivitäten (bei uns derzeit nur Cello- und Geigenstunde und das tägliche Üben) müssen dann auch noch untergebracht werden. Zeit für Kreativität, Fantasiespiele und Unternehmungen, zum Ausruhen oder Verabreden bleibt kaum. Die Kinder haben sich darüber sehr beklagt! Anfangs fragte Leander beim Essen nach der Schule immer, ob das nun das Mittagessen wäre. Wenn wir viel unterwegs waren, ist sein Fazit: „Jetzt haben wir wieder so viel Spielezeit verplempert..“. Um allem gerecht zu werden, wird der Abend täglich sehr lang und der Tag endet um 22 Uhr viel zu spät. Ich habe den Eindruck dass die Kinder bei dem langen Schultag jedoch nicht mehr lernen. Bei uns ist der Stundenplan einfach komprimierter und er konzentriert sich auf die relevanten Fächer. Die Zeit wird nicht mit Aktivitäten am PC oder mit „jeder arbeitet oder liest für sich-Stunden“ „gefüllt“. Für mich war nun die Frage, wie wir die nächste Zeit unter diesen Bedingungen verbringen können. Ganztagsschule ist hier üblich. Viele Frauen sind ganztags berufstätig. Es gibt keine Schulen (nicht mal die Waldorfschule) mit früherem Schulende. Allerdings gibt es wohl auch keine Schulpflicht. Wir haben einige Familien kennengerlernt, die soweit möglich „Home-Schooling“ betreiben und den Schulalltag dadurch um die Mittagszeit beenden. Wir haben den großen Vorteil, dass unsere Schule nicht auf Anwesenheiten und auf feste Zeiten besteht. D. h., wir können den Schultag auch vor 15:30 beenden oder mal eine Woche ausfallen lassen…. Somit entscheiden wir je nach Stundenplan und ich hole die Kinder – falls möglich – schon um 14 Uhr ab.

An der University of Alabama, welche sich in Tuscaloosa befindet, gibt es eine Musical School und wir haben sehr nette Geigen- und Cellolehrerinnen gefunden. Ralph und mich versucht die sog. „Community Music School“ für ein Jugend(??)-Orchester zu werben, da es dort nicht genügend Celli und Trompeten gibt. In derselben Zeit findet ein Orchester für die Kinder statt. Was die Musik betrifft, wurden wir hier somit fündig!

Kaufen, kaufen, kaufen und der Einzug ins neue Heim

Nun sind wir seit drei Wochen hier in Tuscaloosa.  Anfangs war das Einkaufen und Entdecken des Amerikanischen Stils und der Läden ja noch ganz lustig, doch nun habe selbst ich genug. Wir brauchten einfach alles: Staubsauger, Mixer, Putzzeug, Geschirr, alle Möble, Leintücher, Schulausstattung (vor allem Lunchboxen), alle (Grund)Lebensmittel, Teppiche, Waschmaschine, Trockner, Kühlschrank etc… Lediglich die Deckenlampen, Einbauschränke samt Regale und die Küche waren vorhanden.

Da am Samstag die letzten Möbel geliefert wurden, sind wir nun endlich vom möblierten Appartement ins eigene Haus gezogen. Die Aufteilung des Hauses hat mir ja schon vor 8 Wochen gefallen: Alles auf einer Ebene, 3 Bäder bei 4 Schlafzimmern, überall begehbare Kleiderschränke, Waschraum direkt hinter der Küche und eine Vorratskammer (in diesem Fall auch der „Tornadounterschlupf“ – hoffentlich werden wir darin nicht von den Gurkengläsern aus Gundelsheim erschlagen. Doch bei Tornadowarning trägt man eigentlich die Fahrradhelme… Wir werden Euch wissen lassen, wenn wir mit Radhelmen in der Vorratskammer kauern…). Auch die Doppelgarage mit elektrischem Tor und direktem Zugang zum Haus ist sehr praktisch. So kann man die Einkäufe beinahe direkt ins Haus fahren.

Auf den folgenden Bildern seht Ihr unser Haus von innen. Die Farben der Wände haben wir übernommen. Der beige Stil ist für die Innenräume typisch. Beim „blauen Zimmer“ mit Bad handelt es sich um das Gästezimmer (wird noch eingerichtet). Das Wohnzimmer mit überhoher Decke bezeichnen die Kinder als „Halle“ und die Deckenventilatoren in jedem Zimmer haben die Kinder genauso begeistert wie die Eiswürfelmaschine im Kühlschrank. Diesen haben wir nicht wegen des Eises angeschafft, sondern weil dadurch auch das daraus entnehmbare Trinkwasser gefiltert wird.

„Hahnenwasser“ zu trinken ist hier nicht empfehlenswert. Wie man sieht haben wir bei der Möbelwahl nicht den hier üblichen dunkelbraunen Stil übernommen. Bett und Stühle am Esstisch sind extra hoch, damit man sich beim Aufstehen nicht so bücken muss. Hier gibt es alles extra hoch. Auch für die Waschmaschine hätte ich einen Unterbau bekommen können… Doch allzu sehr darf ich mich an das bequeme Leben hier nicht gewöhnen.

Unser Wohngebiet ist sehr gepflegt uns besteht aus ähnlich aussehenden Häusern, alle so ca. 8 Jahre alt. Unsere Nachbarn, Toni und Martina, haben uns gleich herzlich begrüßt und ihre Hilfe angeboten. Falls man auf der Straße mal auf ein Auto oder auf einen Menschen trifft, grüßen alle herzlich oder halten gar an und stellen sich mit Namen vor. Das ist ganz anders als in Botnang, wo es so manchen Nachbarn gibt, der selbst nach 10 Jahren noch nicht grüßen kann…. Dann doch lieber oberflächlich(?) freundlich als gar nicht.

Ein kleines Problem hatten wir allerdings: ab unserem Einzug war der Kater verschwunden. 2 Tage und 2 Nächte lang. Wir haben das ganze Wohngebiet abgesucht. Schließlich ist er am 3. Abend zur großen Erleichterung aller wieder aufgetaucht.

Was das Leben hier ansonsten betrifft, fühlen sich die Kinder richtig wohl. Jeder Tag besteht nur aus 3 Kleidungsstücken plus „Flip Flops“. Einen „kühlen“ Abend hier hätten wir in Stuttgart als „einen milden Sommerabend“ beschrieben. Kein Wunder, dass so manche Kollegen von Ralph beschlossen haben, für immer hier zu bleiben. Nun, das haben wir allerdings bisher nicht vor.

Die erste Woche und die ersten Eindrücke

Bisher wohnen wir in einem möblierten Appartment. Das beste daran ist der Pool, der bis 23 Uhr benutzt werden darf. Wir haben Glück, denn der Pool liegt gegenüber von unserer Terrasse. Somit haben wir bzw. die Kinder doch ein wenig das Gefühl, Urlaub zu haben.

An sonnigen Tagen (die es hier meist hat) ist der Pool richtig warm aufgeheizt.Somit können die Kinder stundenlang darin rumtollen ohne auszukühlen.

Genauso neu für uns ist es, aus den kühlen Innenräumen in den Regen hinauszugehen. Draußen ist es dann nämlich viel wärmer und den warmen Regen kann man so richtig genießen. Auch sind alle Kleider gleich wieder getrocknet – also naß zu werden ist hier kein Problem!

Wir haben unser erstes Möbelstück gekauft:  Ein blauer Schaukelstuhl für die Terrasse – natürlich „50% on sale“ sowie ein Bild mit amerikanischem ABC für unseren Schulanfänger… Das erste Wochenende  verbrachten wir hauptsächlich mit dem Möbelkauf. Das komplette Haus muss nun eingerichtet werden. Das ist so auf die Schnelle gar nicht einfach und die Kinder waren mehr als gelangweilt. Schränke (Einbauschränke) und Lampen sind im Haus zum Glück vorhanden. Wir haben uns für weiße Möbel entschieden. Diese zu bekommen war eine wahre Herausforderung. Die Amerikaner lieben es dunkelbraun und plüschig (wie zu Omas bzw. Uromas Zeiten…). Eine weitere Herausforderung ist es, unseren „Jüngsten“ satt zu bekommen. Das heutige Abendessen bestand somit aus Gurken (Crunchy Dills) aus Gundelsheim und Nudelsuppe mit Brühe von Seitenbacher aus Deutschland und Nudeln aus Italien… Hoffentlich finden wir mit der Zeit noch weitere Waren aus der Heimat…  Es ist hier üblich und auch sehr unkompliziert, essen zu gehen.  Die Menüauswahl ist sehr umfangreich, allerdings konzentriert sich das Angebot auf Sandwiches, Burger, Chips, Pommes, Wraps und Fleisch. Und dies alles möglichst weich… Zur großen Freude der Kinder (nicht zu unserer) gibt’s Softdrinks und manchmal auch Eis uneingeschränkt als kostenloser „Refill“. Wir freuen uns auf den Einzug ins eigene Haus. Vielleicht lassen sich dort ein paar altbewährte Rezepte aus Deutschland umsetzten.

Ganz und gar nicht können wir uns mit der Umwelteinstellung der Amerikaner anfreunden: Plastikverpackung ohne Ende und überhaupt keine Mülltrennung. Absolut alles – einschließlich Glasflaschen, wenn man mal welche findet – werden im Normalmüll entsorgt. Aus den Augen aus dem Sinn… Styroporgeschirr und Plastikbesteck ist alltäglich. Wenn man die Ausmaße hier betrachtet, kommt einem unsere Mülltrennung in Deutschland wie „ein Tropfen auf den heißen Stein“ vor… Wir hoffen, dass wir die Kinder wenigstens nach unserer Rückkehr diesbezüglich wieder auf den richtigen Weg bringen können.

Auch noch aufgefallen ist uns, was wir wohl an der deutschen Technik haben. Was Sanitär und Elektrik betrifft, lässt dies hier zu wünschen übrig. Alle Abflüsse des Appartements, welches wir derzeit bewohnen, waren mindestens einmal verstopft (ja alle!!). Die Spülmaschine spült so schlecht, dass das Geschirr von Hand nachgespült werden muss und die Waschmaschine macht die Wäsche buchstäblich kaputt. Wir können hier nicht weiter waschen. Hoffentlich wird dies mit den eigenen Geräten besser. Ansonsten werden dies drei wirklich zähe Jahre….

Noch zum Abschluss etwas positives: Wir ließen den Tag bei Barnes & Noble ausklingen. Dies ist ein Buchladen mit Kaffee. Dort kann man alle Zeitschriften und Bücher während des Aufenthaltes selbst bei Kaffee und Kuchen lesen und keiner weist darauf hin, erst zu kaufen und dann zu lesen… Barnes & Noble ist schon jetzt einer unserer Lieblingsläden hier.

Jetzt wird es ernst – Aus- und Einreise am 29.07.12

Here they are …. die Fotos unserer Aus- und Einreise.

Nach einer sehr kurzen, vorerst letzten Nacht in Stuttgart, stand pünktlich um 7:30 Uhr am Sonntag, den 29.07.12 das Grossraumtaxi vor der Tür.

Mit unseren 8 Koffern, Handgepäck, Katze, PC und Schultüte war der „Grossraum“ auch wirklich notwendig…Trotz Urlaubszeit waren wir am Lufthansa-Schalter sofort dran und auch das anschließende „Einchecken“ von Puma am „Sperrgutschalter“ verlief problemlos. Der Flug war dank umfangreichem Filmangebot wieder sehr erholsam. In Atlanta angekommen, ging wieder alles viel schneller als beim Look&See-Trip vor 5 Wochen. Ein Flughafenangestellter übernahm unseren kompletten Gepäcktransport. Beim Zoll war kurz die Tollwutimpfung von Puma vorzuzeigen und schon saßen wir im Transferbus zur Autovermietung. Auch dort ging alles glatt und es fand sich sogar ein Auto, in welches wir einschließlich aller Gepäckstücke reinpassten, mehr hätte es nicht sein dürfen. Gegen 22 Uhr (d. h. 5 Uhr morgens deutsche Zeit) trafen wir im möblierten Appartment – unsere Übergangslösung – in Tuscaloosa ein. Obwohl die ganze Reise völlig ohne Stress ablief, waren wir froh, als wir endlich in die vorbereiteten Betten fallen konnten.

Der erste Tagespunkt war das Umtauschen der Autos: Rückgabe des Avis-Mietwagens und Annahme des Übergangsautos (M-Klasse) von Mercedes. Die Zeitumstellung war wieder  kein Problem.

Ganz im Gegenteil die Essensgewohnheiten: Kaum etwas war zu finden, dass unseren „Herren“ zum Frühstück schmeckte. Das Brot ungewohnt weich, Joghurts mehlig, Pudding zu süß etc… Somit stoppten wir erst einmal bei der deutschen Bäckerei. Das Brot dort ist zwar nicht mit dem Standard vom gewohnten Bäcker Klinsmann vergleichbar, doch es ist dem deutschen Brot schon recht ähnlich und ich muss wohl doch nicht die Künste der „Brotbäckerei“ erlernen (ein Glück!!). An diesem ersten Tag wurden nur die nötigsten Dinge erledigt: Suche nach Katzenklo und Kratzbaum für Puma (um das Mobiliar im Appartment zu verschonen), Einkauf bei  „Toys R us“ für die versprochenen Legokäufe und Besorgung der Grundnahrungsmittel im einzigen kleinen Bioladen in Tuscaloosa. Den zweiten Tag wurden dann schon die „größeren Dinge“ angegangen: Kauf von Kühlschrank (mit Eiswürfelspender““), Waschmaschine („Frontlader“), Trockner und einem Handy! Außerdem stand die Übernahme des neuen Hauses an. Nun können der Möbelkauf und das Einrichten beginnen…

Und dann war er auch schon da, der erste Arbeitstag für Ralph am neuen amerikanischen Arbeitsplatz. Wir „Nicht-Arbeitenden“ hatten den Eindruck ,dass dieser ganz gut verlief und Ralph ganz vergnügt nach Hause kam.