Nach 5 eindrucksreichen, intensiven Wochen in Deutschland gingen wir fast lückenlos in unseren wohlverdienten Sommerurlaub über. Michigan war das Ziel. Wir flogen von Birmingham, Alabama in nur zwei Stunden nach Chicago. Von dort aus ging es per Jeep-Mietwagen nach Saugatuck, eine kleine Künstler- oder Touristenstadt am Lake Michigan. Dort trafen wir Anne, mit der ich (Susi) vor 20 Jahren als Studentin das Büro an der Michigan Technological University teilte.
Wie es meist mit den „alten Bekannten“ so ist, waren wir so vertraut, als würden wir uns täglich sehen. Auch der Ort Saugatuck war einen Besuch wert: Hübsche „Summer Houses“, unzählige Boutiquen und alles zu Fuß erreich- und erkundbar. Nach einem Besuch am Strand zogen wir am nächsten Tag weiter in die Nähe von Glen Arbor, ebenfalls am Lake Michigan. Hier kamen wir in einem sehr luxuriösen Ferienresort unter, in dem sich die Amerikaner wahrscheinlich den einzigen Urlaub von wenigen Tagen im Jahr gönnen. Mit privatem Strand direkt von der Haustür kamen wir uns vor wie am Meer.
Lediglich das Wasser unterschied sich: Es war „saltfree“ und wesentlich wärmer als die Nordsee. Wir haben den menschenleeren, sauberen Strand sehr genossen und stellten erneut fest, dass die USA lange nicht überall gleich sind. Die amerikanischen Menschen hier unterschieden sich auffallend von denen in Alabama. Zum einen wurden wir immer wieder nach unserer Herkunft gefragt und kamen so schnell ins Gespräch. Auch die übertriebene aber doch oberflächliche Höflichkeit, die wir aus Alabama gewohnt waren, gab es hier nicht. Vielmehr erinnerte uns das Verhalten der Amerikaner stark an das der Deutschen. Kein Wunder, dass wir uns hier so zu Haus fühlten.
Nach 5 Nächten im Resort ging die Reise weiter nach „Mackinac Island“. An dieser Stelle stoßen der Lake Michigan und der Eriesee zusammen und „Lower Michigan“ trennt sich von „Upper Michigan“ (oder UP für „Upper Peninsula“). Mackinac Island ist die Touristenattraktion schlechthin. Das war zu viel Tourismus für uns: Das Besondere an dieser Insel ist, dass es dort nur insgesamt 2 Autos gibt: Eine Feuerwehrauto und einen Krankenwagen. Alle andern Besucher und Bürger bewegen sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit der Pferdekutsche vorwärts. Dies ist gerade für die Amerikaner natürlich sehr ungewohnt. Unser „Rundum-Paket“ umfasste Mieträder, mit dem wir die komplette Insel in einer Stunde umrundeten. So viel Bewegung am Stück tat uns sicherlich gut. Das andere Highlight war eine abendliche Geistertour über die Insel, die die Kinder sich gewünscht hatten. Besonders Leander wich der sog. „Ghost-Huntering“ nicht von der Seite. Trotz der zahlreichen Eindrücke waren wir froh, als wir diese touristische Insel wieder verlassen und uns in Richtung „UP“ aufmachen konnten.
Die Upper Peninsula stellte das absolute Gegenteil dar. Unser Zielort „Houghton“ mit der Michigan Technical University ist ca. 7 Stunden von jeder größeren Stadt entfernt.
Houghton
Dies merkt man diesem Ort auch an. Es handelt sich um eine sehr friedliche kleine Welt für sich mit viel Natur drum herum. Außer der dort ansässigen Universität hat sich nicht viel angesiedelt. Kettenrestaurants- oder –geschäfte findet man kaum. Dafür bieten die Menschen die lokalen Attraktionen an. Hierzu gehören das dort heimische Kupfer und verschiedene Kupferminen sowie sämtliche für die Region typischen selbst hergestellten Produkte. Vergleichbar mit den Nordeuropäischen Ländern können im Sommer reichlich Beeren geerntet und verarbeitet werden.
Noch aus meiner Studienzeit haben wir zwei Bekannte getroffen, die noch immer mit Leib und Seele dort oben leben. Auffällig war, dass beide Familien eine Farm und reichlich Land besitzen. Entweder macht diese Gegend die Menschen kreativ, da es sonst nicht viel Abwechslung gibt oder aktive, einfallsreiche Menschen bleiben dort oben hängen, da sie sich hier verwirklichen können. Die eine Familie z. B. kaufte sich eine alte Tankstelle und richtete diese als Bäckerei und Geschäft her, in dem allerlei Backwaren, Strickwaren, selbstgemachte Marmelade und vieles mehr verkauft wird. „Nebenher“ wir an der Uni unterrichtet.
Die andere Familie kaufte sich – ebenfalls neben der Professorenstelle an der Uni – eine Blaubeerfarm. Verschiedene Tiere dienen der eigenen Versorgung mit Eiern, Fleisch und Wolle.
In Alabama hatten wir den Eindruck, dass Amerikanische Kinder die meiste Zeit am Computer oder vor dem Fernseher verbringen. Dieser Eindruck wurde in Michigan zu Nichte gemacht. Valentin und Leander hatten sich sofort mit den gleichaltrigen Mädchen der einen Familie angefreundet und waren nicht zu bremsen. Gemeinsam wurden Beeren gesammelt und gegessen, ein Wasserfall durch einen brusthohen Farnwald erkundet, Eier im Hühnerstall gesucht, Lamas gefüttert etc..
Das ganze hat uns stark an ein Leben wie in Astrid Lindgrens Bullerbü erinnert. Es gibt so ein Leben also tatsächlich auch in den USA, doch man muss bis an das Ende der Staaten fahren, um es zu finden. Noch lange mussten wir uns die Beschwerde unserer Kinder anhören, dass wir diese Familie erst um Mitternacht verlassen haben…
Großes Glück hatten wir auch mit unserem Ferienhaus. Nach einer lauten Nacht im Ramada-Hotel in Houghton checkten wir dort wieder aus und fanden wie durch ein Wunder eine noch verfügbare Blockhütte „in the middle of no-where“…
Das dazugehörige Grundstück hatte eine Feuerstelle und schien kein Ende zu nehmen. Dank des guten Wetters waren die Kinder von morgens bis abends draußen. Valentin war sehr damit beschäftigt, das Feuer am brennen zu halten und Leander kam seiner neu entdeckten Leidenschaft nach:
Dank einer freundlichen Bankangestellten bekam er einen Dollar in Form einer Münze. Dadurch wurde ein neues Hobby erfacht, welches die ganze Familie einnahm: Auf einmal bemerkten wir, dass es von jedem Staat der USA einen eigenen Quater (25 cent) gibt. Auch ander Eindollarmünzen mit eigener Geschichte gibt es (z. B. Sacajawea-Dollar).
Das größte war jedoch der Mercury-Dime, welcher in der Zeit von 1916 – 1945 geprägt wurde. Er ist aus reinem Silber und kaum mehr im Umlauf. Nachdem Leander verschiedene Banken erfolglos nach diesem Geldstück abgeklappert hatte, war unser Bekannter Bruce so nett und schenkte ihm eines seiner Sammlerstücke. Dieser Dime wird seither in Ehren gehalten. Leander hat ihm sogar ein selbst entworfenes Buch gewidmet.
Der weitere Höhepunkt für die Kinder war der Besuch zwei der Kupferminen, die jedoch beide nicht mehr in Betrieb sind.
Die eine Mine konnten wir zu Fuß erkunden und in die andere wurden wir hineingefahren. Die Technik und Geschichte beider Minen haben die Kinder nur so aufgesogen. Auch um den Kauf verschiedener Kupferprodukte als Andenken kamen wir nicht herum. Valentin hat bei einem Minenbesuch die Liebe für „Skunks“ (Stinktiere) entdeckt.
Diese können – sofern sie vom Züchter stammen – als Haustier gehalten werden und scheinen sehr liebenswürdig und anhänglich zu sein. Valentin hat sich schon erkundigt, dass die Haltung dieser Tier in Deutschland auch möglich und erlaubt ist….
Die Länge dieses Beitrags macht deutlich, wie eindrucksvoll die zwei Wochen Michigan waren. Es war sicherlich ein Urlaub, wie ihn nur wenig Deutsche in den USA machen. Wir waren von der Vielfalt der Eindrücke und von der Nähe zur Natur so begeistert, dass wir ein weiteres Mal nach Houghton aufbrechen werden. Und dies bereits in 2,5 Wochen über den Feiertag Laborday. Die Flüge – dieses Mal direkt nach Houghton – sind schon gebucht und unser Cabin ist auch schon reserviert. Auf der Blueberry-Farm haben wir uns schon zum Beerenpflücken angekündigt und das Treffen mit den neu gewonnenen Freundinnen der Kinder ist auch geplant. Wir können es kaum erwarten, dorthin zurück zu kehren.


































































