Nun sind wir schon seit einem guten halben Jahr in Tuscaloosa. Langsam leben wir uns ein und haben doch ein paar Aktivitäten gefunden, die dem Aufenthalt hier einen besonderen Wert verleihen. Trotz dem langen Schulalltag, der in der Regel bis 15 Uhr geht, sind wir auch noch nach der Schule ziemlich beschäftigt. Neben dem Cellounterricht geht Valentin nun in ein Jugendorchester. Außer ihm gibt es nur ein weiteres Cello und der nächste Konzerttermin wurde schon angekündigt. Im nächsten Schuljahr wird Leander mit der Geige dazu stoßen. Wir gehen weiterhin in den Schwimmunterricht. Das Ziel dieses Kurses ist nicht nur das Schwimmenlernen, sondern auch die Vorbereitung und Teilnahme am sogenannten „Nancy Blewitt Swim Team“. Valentin ist inzwischen im Pre-Team angelangt und nachdem er nun „Free-Style“ (Kraulen, mit dem hier begonnen wird) beherrscht, kann er lässig am Brustschwimmkurs teilnehmen – denn das können wir Deutschen ja schon!! Unsere neuste Errungenschaft ist jedoch die Teilnahme an den Aktivitäten der „Boy Scouts of America“. Die Grundschulkinder nennen sich „Cup Scouts“. Hierbei sind die Erstklässler „Tiger Cups“, die Zweitklässer „Wolf Cups“ und die Drittklässler „B
ear Cups“. Unsere beiden Cup Scouts waren von der Mitgliedschaft sofort begeistert und konnten die erste Stunde kaum erwarten. Sie hatte alle Erwartungen erfüllt. Natürlich faszinieren die Uniformen, vielen Aufnäher und Abzeichen und das Buch, welches jede Gruppe gemeinsam erarbeitet. Da unsere Kinder die einzigen deutschen Kinder in ihren speziellen Gruppen sind, kommen sie nun auch nicht drum herum, dort englisch zu sprechen. Und endlich – nach gut einem halben Jahr – sind sie dazu in der Lage. Wir Eltern müssen zwar immer „weggehen“ und „weghören“, wenn es so weit ist, doch ab und zu schnappen wir mal ein paar Sätze auf und freuen uns umso mehr über die Fortschritte. Wir haben die Kinder bereits für ein Boy Scout Camp im Sommer angemeldet. Da ein Erwachsener mit teilnehmen muss und Ralph nicht genug Urlaub hat, habe ich (Susi) mich dazu bereit erklärt, mit von der Partie zu sein. Bei recht sommerlichen Temperaturen und in Gesellschaft von unzähligen Stechmücken werden wir in der „Wildnis von Alabama“ zelten. Meinen Vorschlag, dass Ralph die Nächte dort verbringt (und danach zur Arbeit geht) und ich lediglich die Tage (und mich anschließend im King-Size-Bett ausruhe) hat er dankend abgelehnt… Wir werden im Juni darüber berichten. Die folgenden Fotos zeigen einige der Unternehmungen mit den Boy Scouts in den letzten Wochen: Besuch im Fernsehstudio und bei der Polizei, Teilnahme am „Pinewood Car Derby“ und auf den Spuren des Frühlings…
Auch an den Wochenenden sind wir inzwischen stärker ausgelastet als in Stuttgart. Gleich um die Ecke haben wir eine Gemeinde gefunden. Die Familien sind alle aus der näheren Umgebung und einige der Kinder auch bei den Boy Scouts. Das Angebot für die Kinder ist in den Gemeinden hier einmalig. Eine Art Kinderkirche gibt es für jede Altersstufe separat und darin befinden sich jeweils 10 – 20 Kinder. Auch unter der Woche gibt es Angebote für die Kinder und natürlich sind alle Familien sehr aufgeschlossen und heißen einen herzlich willkommen. Wir haben selten so viele Hände geschüttelt, wie an unserem ersten Besuch dort.
Neben all den Einkaufsstraßen haben wir ein kleines idyllisches Fleckchen Erde mitten in Tuscaloosa entdeckt: Das sogenannte Arboretum der University of Alabama. Hier kann man endlich mal in einem Waldgebiet laufen und unterwegs gibt es einiges zu sehen: Bäche, Tümpel, Treehouse, sog. „Kindergarten“ (Entdeckungsbereich für Kinder) etc.. Meist ist dieses Gebiet menschenleer und es gibt dort sogar Blumen wir Hyazinthen, Veilchen, Stiefmütterchen etc.
Auch kreative „Expat-Frauen“ kommen in Tuscaloosa auf ihre Kosten (allerdings leider nicht kostenlos…). Mit einer anderen deutschen Mutter habe ich mich in einen Quiltkurs gewagt und das erste Ergebnis lässt sich sehen (siehe Foto unten). Das erste Semester des Kunststudiums nähert sich dem Ende und einige Bilder in Aquarell oder Öl entstanden.
Insgesamt lässt sich folgendes zusammenfassen: Tuscaloosa bietet lange nicht so viel wie Stuttgart. Doch wenn man lange genug sucht und aufgeschlossen ist, kann man durchaus nette Menschen und bereichernde Angebote finden, die es in dieser Art in Deutschland nicht gibt.
Und zum Schluss noch das Wichtigste: Es ist Mitte März und der Sommer ist in Tuscaloosa eingekehrt. Die Flip-Flops wurden ausgepackt und wir wanderten bei 20 Grad C im Schatten von einem Sommerfest zum anderen (gestern bei den deutschen Expats – es befinden sich derzeit 110 Familien hier -, heute bei einer Gemeinde in einer Scheune am Rand von Tuscaloosa). Die Temperaturen änderten sich schlagartig von Winter (um die 10 °C) auf Sommer. Die Bäume blühen zwar, aber einen Frühling wie in Deutschland gibt es hier nicht. Über die tollen Temperaturen freuen wir uns alle sehr.

Übrigens: Durch Anklicken lassen sich die Fotos vergrößern und durchblättern!



















